Pressemitteilung


11.07.-07.09.2014
Pressegespräch: Mittwoch, 9. Juli 2014, 11 Uhr
Eröffnung: Donnerstag, 10. Juli, 19 Uhr

Ausstellung

Annette Wehrmann

Wir gucken fern, weil wir uns die Revolution nicht leisten können

Der Badische Kunstverein zeigt die Künstlerin Annette Wehrmann (1961–2010) in einer umfassenden Einzelausstellung. Wehrmanns Arbeiten sind Teil einer Politisierung der Kunst in den 1990er-Jahren. Ihre Zeichnungen, Skulpturen, Installationen, Performances, Videos und Texte finden zu einer zugänglichen Sprache, die sich den vermeintlich unverrückbaren Normen offensiv entgegenstellt. In einer eigenwilligen Mischung aus anarchistischer Prosa, intellektuellem Diskurs und trockenem Humor äußerte Wehrmann ihr Unbehagen an der Welt und stärkte eine autonome Haltung, der sie sich nicht nur in ihrer Kunst, sondern in ihrem gesamten Leben verschrieben hatte.

Die Ausstellung versammelt verschiedene Arbeiten und Werkkomplexe der Künstlerin. Einen zentralen Raum nehmen Wehrmanns UFO-Architekturen ein. Diese von feministischer Science-Fiction-Literatur, dem Jazzmusiker Sun Ra und der Architektengruppe Archigram beeinflussten Objekte aus billigen Materialien bezeichnete die Künstlerin als „Rückzug auf sich selbst“ und als „Wunsch nach einem besseren, anderen Leben“. Die für den Kunstverein rekonstruierte Installation S.C.U.M. - ein UFO für V. Solanas (2007) bezieht sich beispielsweise auf das gleichnamige utopische Manifest der radikal-feministischen Autorin Valerie Solanas.

Der öffentliche Raum, insbesondere dessen zunehmende Privatisierung und Kommerzialisierung, ist ein weiteres Thema in Wehrmanns Kunst. Für die Fotoserie Blumensprengungen (1991–95) brachte die Künstlerin verschiedene im Stadtraum arrangierte Blumenanlagen zur Explosion. Eine frühe skulpturale Arbeit sind die aus Backsteinen gemauerten Fußbälle/Kugeln (1991), mit denen die Künstlerin in einer Performance Fußball spielte. Für die Installation DSB für die Zukunft (1993–96) schuf Wehrmann eine neue Währung und somit einen alternativen ökonomischen Raum.

Annette Wehrmanns textbasierte und performative Arbeitsweise zeigt sich in ihren auf Luftschlangen getippten Texten, die sie in Lesungen vortrug und im Raum installierte. Ein separater Teil der Ausstellung präsentiert zudem einen Auszug aus den zahlreichen literarischen Referenzen, derer sich die Künstlerin gleichermaßen aus Wissenschaft und Populärkultur bediente. Dieser Teil ist der Versuch einer Kontextualisierung, um das Werk von Annette Wehrmann in seiner Vielschichtigkeit und Komplexität zu fassen.

Kuratiert von Ort des Gegen e.V. und Anja Casser, Badischer Kunstverein.
Im Anschluss an die Ausstellung ist eine Publikation geplant.

Annette Wehrmann (1961-2010) lebte und arbeitete in Hamburg. Sie studierte Freie Kunst an der Hochschule für bildende Künste Hamburg und an der Städelschule in Frankfurt.
2013 erschien das Buch Annette Wehrmann: Luftschlangentexte im Starship Verlag, Berlin. www.starship-magazine.org

Der Ort des Gegen e.V. gründete sich 2011 in Hamburg zur Erhaltung des künstlerischen Nachlasses von Annette Wehrmann. Mitglieder des Vereins sind Erzsébet Ambrus, Hans-Christian Dany, Sabine Falk, Katharina Gerszewski, Jochen Möhle, Christoph Rauch, Holger Steen, Inga Svala Thórsdóttir, Laila Unger, Brigitte Wehrmann, Monika Wucher und Ina Wudtke.
www.annettewehrmann.de

Ausstellungsbroschüre:
pdf

<strong>Annette Wehrmann</strong>: Fotografie aus der Serie <i>Blumensprengungen</i>, 1991-95 <br>© VG Bild-Kunst, Bonn

Annette Wehrmann: Fotografie aus der Serie Blumensprengungen, 1991-95
© VG Bild-Kunst, Bonn


Für weiteres Informations- und Bildmaterial wenden Sie sich bitte an
presse@badischer-kunstverein.de oder rufen Sie uns an unter 0721 28226.

11.07.-07.09.2014
Pressegespräch: Mittwoch, 9. Juli 2014, 11 Uhr
Eröffnung: Donnerstag, 10. Juli, 19 Uhr

Lichthof

Laura Horelli

Returns

Unter dem Titel Returns versammelt die Ausstellung im Lichthof vier Arbeiten der finnischen Künstlerin Laura Horelli (*1976). Die Künstlerin arbeitet vorwiegend mit Video, aber auch in den Formaten Fotografie und Text. Ihre Arbeiten kreisen um die Themen Identität, Repräsentation und Erinnerung.

Ausgangspunkt für Horellis Arbeiten ist ihr Interesse an geschichtlichen Zusammenhängen, deren vermeintliche Faktizität sie bewusst unterwandert. Es sind gerade die Leerstellen und Diskontinuitäten, denen die Künstlerin nachspürt, indem sie Erzählungen nicht linear, sondern aus multiplen Perspektiven aufbaut.

In ihren aktuellsten Videoarbeiten, die als Trilogie in der Ausstellung gezeigt werden, thematisiert Horelli ihre eigene Biografie, stellt diese aber immer wieder in einen größeren gesellschaftlichen und politischen Kontext. Zentrales Moment ist der frühe Verlust der Mutter, deren Abwesenheit sich die Künstlerin mit verschiedenen filmischen Mitteln nähert. Haukka-pala (A-Bit-to-Bite, 2009) zeigt Filmmaterial aus der gleichnamigen Kindersendung im finnischen Staatsfernsehen, in der Horellis Mutter in den 1980er Jahren regelmäßig auftrat und die Hundepuppe Ransu über gesunde Ernährung und heimische Bräuche aufklärte. Im Voice-over kontrastiert die Künstlerin das inszenierte Fernsehbild mit eigenen Erinnerungen und Tagebuchaufzeichnungen ihrer Mutter.

The Terrace (2011) handelt von Horellis Kindheitserinnerungen in Nairobi, Kenia, wo sie mit ihrer Familie in einer modernistischen Wohnanlage lebte. Familienfotografien werden mit eigenen Filmsequenzen kombiniert. Erst durch das Voice-over wird das Leben in der Siedlung als postkoloniale Geschichte erahnbar.

Das Video A Letter to Mother (2013) setzt sich aus Filmaufnahmen zusammen, die Horelli im Stadtteil Flushing, Queens, New York drehte. Es ist eine dokumentarisch anmutende Suche nach den Spuren ihrer Mutter, aber auch ihrer Großeltern, die nach dem Zweiten Weltkrieg von Finnland nach Brasilien und von dort in die USA immigrierten. Im Zusammenspiel aus persönlichen Erinnerungen, Anekdoten, Vermutungen und einem fiktiven Brief an die Mutter wird deutlich, wie eng sich das Private mit dem Politischen verknüpft.

Die Migrationsgeschichte von Finnen in den USA ist zentrales Thema der neuen, erstmals im Badischen Kunstverein gezeigten Arbeit The Jokinen Trial (2014). Die präsentierten Fotografien und Audio-Texte basieren auf Recherchen zur Biografie von August Jokinen, einem finnischen Kommunisten. Jokinen wanderte 1916 in die USA aus und wurde  in einem Schauprozess 1931 in New York wegen Rassismus angeklagt. In dieser Foto- und Audioarbeit geht es Horelli nicht um die lückenlose Aufdeckung einer Identität, vielmehr setzt sie verschiedene Text- und Bildquellen ein, um die Narration bewusst komplex und verschiedene Lesarten im Spiel zu halten.

Laura Horelli (*1976 in Helsinki, Finnland) lebt und arbeitet in Berlin.
Sie studierte Kunst an der Akademie der Bildenden Künste in Helsinki (Department of Time and Space) und an der Städelschule in Frankfurt (Klasse Thomas Bayrle).

Ausstellungsbroschüre:
pdf

<strong>Laura Horelli</strong>: <i>Returns</i>, 2014, Postkartendesign 
<br>Courtesy Galerie Barbara Weiss, Berlin

Laura Horelli: Returns, 2014, Postkartendesign
Courtesy Galerie Barbara Weiss, Berlin


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25.04.-22.06.2014
Pressegespräch: Mittwoch, 23. April 2014, 11 Uhr
Eröffnung: Donnerstag, 24. April, 19 Uhr

Ausstellung

Michaela Melián

IN A MIST

Kuratiert von Nadja Quante

Unter dem Titel IN A MIST präsentiert Michaela Melián in einer Einzelausstellung im Obergeschoss des Badischen Kunstvereins eine neue mehrteilige Arbeit, die verschiedene Medien wie Film, Sound, Zeichnung, Fotografie, eine Wandarbeit und installative Elemente umfasst.

Die bildende Künstlerin und Musikerin nähert sich historischen Geschichten und untersucht deren kulturelle Projektionen. Sie entwickelt in ihren Arbeiten vielschichtige Erinnerungsfelder und komplexe Verweissysteme. Ihre präzisen Recherchen transformiert sie in räumlich-skupturale Installationen, die soziale Gegebenheiten sichtbar machen.

Ausgangspunkt für ihre neue Arbeit IN A MIST ist das Theaterstück Fritz Bauer, das 1929 von Natalia Saz und W. Selichowa geschrieben und im Moskauer Theater für Kinder uraufgeführt wurde. Aus sowjetischer Perspektive werden in diesem Kinderstück der Klassenkampf und die schweren Lebensbedingungen einer Arbeiterfamilie in Deutschland Ende der 1920er Jahre thematisiert.
Der kommunistische Arbeiter Karl Bauer, der aufgrund seines Engagements bei der Organisation eines Streiks von der Polizei gesucht wird, ist gezwungen, sich versteckt zu halten. Seine Frau und sein Kind bleiben ohne Existenzgrundlage zurück. Mit allen Mitteln versucht die Gendarmerie von seinem Sohn Fritz Bauer das Versteck seines Vaters zu erfahren und scheut dabei keine Gewalt. Das Stück endet damit, dass die Familie von den russischen Genossen nach Moskau gebracht wird.
Fritz Bauer ist laut Natalia Saz das erste Stück des Moskauer Theaters für Kinder, das auf die internationale Erziehung von Kindern im „mittleren und fortgeschrittenen Pionieralter“ ausgerichtet war. Viele der in diesem Stück angesprochenen Themen sind auch heute noch aktuell, wie zum Beispiel prekäre Beschäftigungsverhältnisse oder ungerechte Bildungschancen. Zudem spiegelt das Theaterstück einen Grundkonflikt des letzten Jahrhunderts wider: den Widerstreit zwischen Kommunismus und Kapitalismus.

In einer Musik-, Sprach- und Bildercollage greift Michaela Melián Repräsentationen der in diesem Stück angesprochenen Themen auf. Sie zerlegt einzelne Elemente und Fragestellungen, wirft unter Einbezug verschiedener Perspektiven ein Licht auf die Aktualität verschiedener Thematiken, die in dem Stück aufscheinen und bringt sie in einer dynamischen Raumsituation vor dem Nebel von Vergangenem und Gegenwärtigem in neue Konstellationen.

Der neue Film In a Mist wurde vom Badischen Kunstverein, den Münchner Kammerspielen und dem Bayerischen Rundfunk / Hörspiel und Medienkunst koproduziert. Das Hörstück unter dem gleichen Titel wurde am 16. Mai um 21.05 Uhr vom BR im Radio erstmalig gesendet und ist unter folgendem Link zu finden: http://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/hoerspiel-und-medienkunst/hoerspiel-pool/melian-magazin-inamist-100.html

Michaela Melián (*1956 in München) lebt und arbeitet in Hamburg und München. Sie studierte Musik und Kunst in München und London und ist Mitglied der Musikgruppe F.S.K. (Freiwillige Selbstkontrolle). Seit 2010 ist Melián Professorin für Zeitbezogene Medien an der Hochschule für bildende Künste Hamburg.

Im Rahmen von:
Frieden + Krieg 2014 - 1914

22. Europäische Kulturtage Karlsruhe, 7. - 25. Mai 2014

<strong>Michaela Melián</strong>: <i>In a Mist</i>, 2014<br>© Michaela Melián, VG Bildkunst

Michaela Melián: In a Mist, 2014
© Michaela Melián, VG Bildkunst


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25.04.-22.06.2014
Pressegespräch: Mittwoch, 23. April 2014, 11 Uhr
Eröffnung: Donnerstag, 24. April, 19 Uhr

Lichthof

Karin Michalski
The Alphabet of
Feeling Bad
& An Unhappy Archive von Sabian Baumann und Karin Michalski

Mit Beiträgen von / With contributions by:
Sara Ahmed, Sabian Baumann, Lauren Berlant, Dafne Boggeri,
Elfe Brandenburger, Mel Y. Chen, Ann Cvetkovich, Jennifer Doyle,
Feel Tank Chicago, Elizabeth Freeman, Jack Halberstam,
Katrin Köppert, Eve Kosofsky Sedgwick, Heather Love,
José Esteban Muñoz, Elspeth Probyn, Bettina Stehli & Anne Käthi Wehrli

Die Ausstellung im Lichthof präsentiert Karin Michalskis Videofilmarbeit The Alphabet of Feeling Bad sowie das An Unhappy Archive, das Michalski gemeinsam mit Sabian Baumann konzipiert hat. Video wie Archiv thematisieren das Potenzial individueller „schlechter“ Gefühle, die gemeinsam erfahrbar, entpathologisiert und auf diese Weise politisiert werden können.

The Alphabet of Feeling Bad (2012) zeigt ein experimentelles Interview mit der Theoretikerin und Aktivistin Ann Cvetkovich. Auf einem zerwühlten Bett sitzend erläutert Cvetkovich alltägliche negative Gefühle – wie die Vorstellung, in einer Sackgasse zu stecken, sich gelähmt zu fühlen, von Anforderungen überwältigt zu sein oder nicht zu genügen – und versieht sie mit neuen Bedeutungen. Die Performance basiert auf Gesprächen zwischen ihr und der Filmemacherin Michalski und steht in der Tradition von aktivistischen Initiativen wie dem Sozialistischen Patientenkollektiv Heidelberg (SPK) der 1970er Jahre und den jüngeren Public Feelings-Gruppen in verschiedenen US-amerikanischen Städten. Negative Gefühle wie Depression, Passivität oder Scham werden von diesen nicht als individuelles Versagen oder Krankheit verstanden, sondern im Kontext neoliberaler Arbeitsverhältnisse, aber auch von Homophobie und Rassismus politisiert. The Alphabet of Feeling Bad basiert auf dem Gedanken, Begriffe als Werkzeuge zu verstehen, die Kollektivität herstellen können, und die Bedeutung dieser ursprünglich negativ besetzten Gefühle in einem queeren Verständnis neu zu verhandeln.

Das An Unhappy Archive versammelt Texte, Bücher, Poster, Zeichnungen und andere Materialien, die gesellschaftliche Normen von „Happiness“ in Frage stellen. Der Begriff geht auf die Theoretikerin Sara Ahmed zurück, die das „unglückliche Archiv“ als ein kollektives feministisch-queeres und antirassistisches Projekt beschreibt. Dieses will nicht nur Gesellschaftskritik und Widerständigkeit vorantreiben, sondern auch das Vergnügen und die Utopien, die durch vermeintliche Anti-Figuren wie the feminist killjoy (die feministische Spaßverderberin) ermöglicht werden. Das Archiv wurde 2013 im Rahmen einer Ausstellung bei Les Complices in Zürich von Andrea Thal initiiert und wird nun in einer neuen räumlichen Situation wiederbelebt und erweitert.

Sabian Baumann arbeitet als Künstler in Zürich.
Karin Michalski arbeitet als Künstlerin und Film- und Videokunstkuratorin in Berlin.

<strong>Karin Michalski</strong>: <i>The Alphabet of Feeling Bad</i>, 2012

Karin Michalski: The Alphabet of Feeling Bad, 2012


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24.01.-30.03.2014
Pressegespräch: Mittwoch, 22. Januar 2014, 11 Uhr
Eröffnung: Donnerstag, 23. Januar, 19 Uhr

Ausstellung

What Were You Expecting, Mr. Milquetoast, a Plot?

Vittorio Brodmann, Calla Henkel & Max Pitegoff, Sanya Kantarovsky, Liz Magic Laser, Ola Vasiljeva


Kuratiert von Roos Gortzak

What Were You Expecting, Mr. Milquetoast, a Plot? präsentiert Arbeiten von Vittorio Brodmann, Calla Henkel & Max Pitegoff, Sanya Kantarovsky, Liz Magic Laser und Ola Vasiljeva. Die Ausstellung versammelt eine Generation junger KünstlerInnen, die den Prozess künstlerischer Produktion in den Fokus rücken und ihre Arbeiten in einem kontingenten Stadium zeigen – offen für Veränderungen von außen.

Der Ausstellungstitel stammt aus einer Kritik in der New York Times zu einer Neuinszenierung von Peter Handkes Publikumsbeschimpfung (1966) im Jahr 2008. Die Schauspieler verspotten die Zuschauer und bezeichnen sie unter anderem als „Milchgesichter“, die im Englischen zu „Milquetoasts“ werden. Sie spielen keine „Rolle“ im traditionellen Sinne, sondern brechen die theatrale Illusion, inszenieren keinen Plot. Angelehnt an das epische Theater wollte Handke dem Publikum seine eigene Rolle bewusst machen, indem er die Mechanismen des Theaters offenlegt. Auf ähnliche Weise hinterfragt What Were You Expecting, Mr. Milquetoast, a Plot? die traditionelle Gruppenausstellung, in der die Kunstwerke ausgewählt werden, um eine Narration zu veranschaulichen. Anstatt Kunstwerke in ein vorgegebenes Thema zu zwängen, begreift sich diese Ausstellung als ein offenes Setting sowohl für die KünstlerInnen als auch das Publikum.

Vittorio Brodmann betritt die Bühne als Anfänger-Stand-up-Comedian und gibt dem Publikum Einblicke in die „private, angsterfüllte kleine Hölle“, die auch in seinen Gemälden präsent ist. Sanya Kantarovsky konfrontiert die Besucher mit einer Reihe von der Decke hängender theatraler Tafeln, die übergroße Hemden tragen. Diese dienen als Ausstellungsfläche für seine Gemälde, die darauf wie Schmuckstücke oder Einstecktücher platziert sind. Sie zeigen Figuren, die im Begriff sind, etwas zu tun, beispielsweise auf Inspiration warten, eine Treppe heruntergehen oder Kunst betrachten. Damit verweisen sie nicht nur auf den/die KünstlerIn bei der Arbeit, sondern machen dem/der BesucherIn auch seine/ihre Rolle bei der Bedeutungsproduktion bewusst. Calla Henkel & Max Pitegoff präsentieren verschiedene Unterlagen aus ihrem Shitty Archive. Das Archiv versammelt weitgehend wertlose Dokumente aufgeladen mit persönlichem Wert aus ihrer künstlerischen Praxis, ihrem Privatleben und der Bar Times und dem New Theater, die sie in Berlin betrieben bzw. im vergangenen Jahr eröffnet haben. Die in der Ausstellung präsentierten Fotografien des Künstlerduos zeigen befreundete Künstler, die ihre Belege für die Produktionskosten des Jahres durchgehen: Die Belege werden zu Platzhaltern für die Kunstwerke. Liz Magic Lasers Performance und Videoinstallation chase ist ein Reenactment von Bertolt Brechts Stück Mann ist Mann (1926), das, um die Künstlerin zu zitieren, „die entmenschlichende Metamorphose eines gewöhnlichen Mannes zu einem autoritären Werkzeug des Kapitalismus“ beschreibt. Die Performances wurden in den Vorräumen New Yorker Banken aufgezeichnet. Die Bankautomaten und ihre Nutzer werden zu Charakteren und gleichzeitig zum Publikum ihres Stückes. Ola Vasiljeva, die mit verschiedenen Medien arbeitet – von Video über Skulptur, gefundenen und veränderten Objekten bis zu Printmedien und Poesie – wird eine ortsspezifische Installation entwickeln. Die Künstlerin plant ein vieldeutiges Environment, in dem die Objekte so angeordnet sind, dass sie in einen choreografierten Dialog treten.

Neben einzelnen Arbeiten der vier KünstlerInnen und des Künstlerduos zeigt What Were You Expecting, Mr. Milquetoast, a Plot? auch Werke, die durch neue oder bereits bestehende Kollaborationen entstanden sind. Die KünstlerInnen, die einer Generation entstammen, die den isolierten künstlerischen Prozess immer wieder aufbrechen, greifen auch kollektive Strategien auf. So hat Ola Vasiljeva die OAOA (The Oceans Academy of Arts) gegründet, die Kunst sammelt und zeigt, ohne Hierarchien zwischen Ausstellungsraum, Kunstwerk und den Rollen der Beteiligten. Die Printmaterialien in Vasiljevas Installation, hat OAOA veröffentlicht. Vittorio Brodmann zeigt ein Gemälde, das er ursprünglich als Bühnenbild für das erste Theaterstück von Calla Henkel & Max Pitegoff (Farming in Europe, geschrieben mit den Ko-Autoren Pablo Larios und Dena Yago) im New Theater produziert hat. Sanya Kantarovsky und Liz Magic Laser präsentieren eine neue Performance, für die sie Statistiken aus so unterschiedlichen Bereichen wie Politik, Popkultur und Wissenschaft auf theatrale Weise interpretieren. Die Performance feierte zur Ausstellungseröffnung am 23. Januar um 21 Uhr Premiere und ist in der Ausstellung als Installation zu sehen.

Vittorio Brodmann (*1987 in Ettingen, Schweiz) lebt und arbeitet in Wien.
Calla Henkel & Max Pitegoff (*1988 in Minneapolis, Minnesota / *1987 in Boston, Massachusetts) leben und arbeiten in Berlin.
Sanya Kantarovsky (*1982 in Moskau) lebt und arbeitet in New York.
Liz Magic Laser (*1981 in New York) lebt und arbeitet in New York.
Ola Vasiljeva (*1981 in Ventspils, Lettland) lebt und arbeitet in Amsterdam.

Parallel zur Ausstellung findet ein Rahmenprogramm statt.

Mit freundlicher Unterstützung des Generalkonsulats der Niederlande, München.
Die Performance wird unterstützt von Tanya Leighton, Berlin und KW Institute for Contemporary Art - KUNST-WERKE BERLIN e. V. Berlin.

<strong>Sanya Kantarovsky:</strong> <i>Untitled (You Are Not an Evening III)</i>, 2013<br>
Foto: Tobias Hübel

Sanya Kantarovsky: Untitled (You Are Not an Evening III), 2013
Foto: Tobias Hübel


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24.01.-30.03.2014
Pressegespräch: Mittwoch, 22. Januar 2014, 11 Uhr
Eröffnung: Donnerstag, 23. Januar, 19 Uhr

Lichthof

Uta Pütz

SHIFTED

Wir freuen uns, Ihnen im Lichthof mit SHIFTED die erste umfangreiche Einzelausstellung der Künstlerin Uta Pütz zu zeigen. Die Künstlerin arbeitet vorrangig in den Medien Skulptur und Fotografie. Für ihre Arbeiten greift sie meist auf Fundstücke zurück, die sie als Skulpturen und Objekte im Raum oder auf Fotografien inszeniert. Hierfür sammelt sie Materialien und fügt sie zu minimalistischen Formationen zusammen. Diese stehen wie zufällige Begegnungen im Raum. Einige der Objekte, die sie an die Wand anbringt, wirken wie schwerelos – wie beispielsweise ein Sofapolsterkissen, das frei an der Wand hängt und fast zu schweben scheint. Es ist dieses Spiel mit der Schwerkraft und Balance, das Pütz interessiert. Hierfür entwickelt sie keine komplizierten Konstruktionen, sondern tariert die unterschiedlichen Materialien und Formen wie beispielsweise Holzlatten, Seile und Kupfer- oder Aluminiumrohre improvisierend miteinander aus.

Auch ihre Fotografien präsentiert sie auf skulpturale Weise als Prints ungerahmt an der Wand. Für diese greift Uta Pütz auf vorgefundenes Fotomaterial zurück, aus dem sie Ausschnitte auswählt und vergrößert. Oder sie bildet Ausschnitte von ihren eigenen oder gefundenen Skulpturen ab und versieht sie mit Titeln, die einen bestimmten Blick auf das Gezeigte provozieren. Auch diese Titel sind Fundstücke: Worte, Slogans oder Sätze, die die Künstlerin aufgreift, sammelt und spontan kombiniert.

Für die Ausstellung im Lichthof des Kunstvereins wird sie vor Ort neue Arbeiten produzieren, die vorgefundene Materialien aus den Werkstätten und Lagerräumen des Kunstvereins mit einschließen.

Uta Pütz studierte Bildende Kunst an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe und schloss ihr Studium 2012 als Meisterschülerin bei Prof. Meuser ab.

<strong>Uta Pütz:</strong> <i>Ohne Titel</i>, 2013

Uta Pütz: Ohne Titel, 2013


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10.12.2013–06.01.2014
Eröffnung: Sonntag, 8. Dezember 2013, 17 Uhr

Jahresgaben

Jahresgaben 2013/2014

IAIN BAXTER&, Pauline Boudry/Renate Lorenz, Carole Condé & Karl Beveridge, Jürgen Drescher, Garry Neill Kennedy, Émilie Pitoiset, Hanna Schwarz, Ian Wallace

Wir freuen uns, Ihnen auch in diesem Jahr eine vielseitige Auswahl an Jahresgaben im Badischen Kunstverein präsentieren zu können! Künstlerinnen und Künstler, die in 2013 in Gruppen- oder Einzelausstellungen vertreten waren, haben dem Badischen Kunstverein Unikate oder Editionen zur Verfügung gestellt. Die Werke werden vom 10. Dezember 2013 bis zum 6. Januar 2014 im Kunstverein präsentiert und können von Mitgliedern des Badischen Kunstvereins erworben werden.

Bestellungen richten Sie bitte an:
gabi.johannson@badischer-kunstverein.de

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Samstag, 23. November, 19 Uhr

Künstlerinnengespräch

Künstlerinnengespräch mit Pauline Boudry/
Renate Lorenz

Pauline Boudry und Renate Lorenz suchen unterdrückte oder unlesbare Momente der Geschichte auf und verlassen sie wieder. Das Künstlerinnenduo inszeniert Handlungen von Individuen und Gruppen, die – oft sehr erfolgreich oder vergnügt – Konventionen, Gesetz und Ökonomie herausfordern. Die Künstlerinnen produzieren Performances für die Kamera, die übliche historische Erzählungen erschüttern, indem Momente und Figuren aus unterschiedlichen Zeiten auf die Bühne gebracht, projiziert und übereinander geschichtet werden.

Die Arbeiten zeigen Performances und verwenden eine Methode, welche die Künstlerinnen als temporal drag (Elizabeth Freeman) beschreiben. In den Filmen zitiert die Performance weniger eine ‚Person’ aus der Vergangenheit, als dass sie vielmehr ‚Material’ aus der Geschichte auslegt – eine Fotografie, ein Objekt, eine Partitur oder einen Tanz. Die Körper werden nicht als individuelle Einheit gezeigt, sondern als eine Assemblage von Elementen aus verschiedenen Zeiten, wobei Vergangenheit und Gegenwart zugleich präsent sind. Begehren wird zudem als eine Methode wirksam, die das Archiv der gefundenen politischen Praktiken ausweitet und das Potential einer queeren Zukünftigkeit erforscht.

Die in Berlin lebenden Künstlerinnen Pauline Boudry und Renate Lorenz arbeiten seit 1998 gemeinsam an Projekten.

Eintritt frei

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Samstag, 23. November, 20:30 Uhr

Performance

Performances von
Antonia Baehr und William Wheeler

„Lachstücke, eine Auswahl“ und „Without You I’m Nothing“
In den zwei Performances Lachstücke, eine Auswahl und Without You I’m Nothing setzen sich Antonia Baehr und William Wheeler mit Manifestationen von Klang und Körper auseinander. Beide PerformancekünstlerInnen wirkten bereits in Filmen von Pauline Boudry/Renate Lorenz mit, die im Rahmen der Ausstellung Patriarchal Poetry im Badischen Kunstverein zu sehen sind: William Wheeler in dem neuen Film To Valerie Solanas und Marilyn Monroe in Recognition of Their Desperation (2013) und Antonia Baehr in Toxic (2012).

Antonia Baehr: Lachstücke, eine Auswahl
(nach Partituren von Christian Kesten, Nicole Dembélé & William Wheeler und Henry Wilt)

In der Performance erforscht Antonia Baehr Lachen als eigenständige Ausdrucksform, abgekoppelt von ihren Ursachen – Witzen, Erzählungen, Humor, Freude – und betrachtet die Sache selbst: den Klang und die Form, die Musik, die Choreografie, den Rhythmus und die Geste des Lachens. Komik ist nicht ihr Ziel, aber Ansteckung ist eine unvermeidbare Nebenwirkung.

Im Badischen Kunstverein präsentiert Antonia Baehr eine Auswahl von „Lachpartituren“, Kompositionen, die Freunde für ihr Lachen geschrieben haben.

Um diese Selbstportait zu machen, habe ich mich gefragt: Wer bin ich in den Augen der Anderen? Ich habe festgestellt, dass ich jemand bin, der lacht, der gerne lacht, der oft lachend gesehen wird. Darum habe ich mir von meinen FreundInnen und von meiner Familie Partituren zum Geburtstag gewünscht, Partituren für mein Lachen. Es war ein sehr schöner Geburtstag, denn ich habe zahlreiche Partituren bekommen... Antonia Baehr, 2008

Die Stücke der Choreografin und Filmemacherin Antonia Baehr (*1970, lebt und arbeitet in Berlin) zeichnen sich durch eine nicht-disziplinäre Arbeitsweise aus, welche die Fiktion des Alltäglichen und die Fiktion des Theaters untersuchen. Häufig arbeitet sie hierbei mit verschiedenen PartnerInnen, in Form eines Rollenspiels, zusammen. Baehr studierte Film- und Medienkunst an der Hochschule der Künste Berlin bei Valie Export sowie Performance-Regie an der School of the Art Institute of Chicago u.a. bei Lin Hixson. Ihre Produktionen umfassen u.a.: „Holding Hands“ (2000) mit William Wheeler, „Un Après-midi“ (2003), „Cat Calendar“ (2004) mit Antonija Livingstone, „Larry Peacock“ (2005) co-produziert von Sabine Ercklentz und Andrea Neumann, „Merci/Danke“ (2006), „Rire/Laugh/Lachen“ (2008), „Over The Shoulder“ (2009), „For Faces“ (2010), „My Dog is My Piano“ (2012) und "Abecedarium Bestiarium" (2013). Antonia Baehr ist Produzentin des Pferdeflüsterers und Tänzers Werner Hirsch, des Musikers und Choreografen Henri Fleur sowie des Komponisten Henry Wilt.

William Wheeler: Without You, I Am Nothing
(mit Antonia Baehr und William Wheeler/Produktion: William Wheeler & Antonia Baehr und Podewil Berlin)

In dem Gesangsduett Without You, I Am Nothing  der gleichnamigen Performance verschmelzen zwei PerformerInnen zu einer Doppel-Diva und rufen Emotionen, Gesten, Klänge und Sensationen hervor, die üblicherweise von einer Opernsängerin produziert werden.

Eine funkelnde Diven-Figur (Antonia Baehr) betritt einen postkonstruktivistischen Garten und hypnotisiert eine Thereminspielerin (William Wheeler). Sobald die Hypnose ihre Wirkung zeigt, erhebt sich die Thereminspielerin und lässt auf ihrem Instrument Giuseppe Verdis Arie Tu che la vanità erklingen. Diese künstliche Opernstimme wird von der Diven-Figur durch Lippensynchronität, Gesten und emotionale Virtuosität verkörpert. Als Resultat fusionieren beide PerformerInnen zu einer Cyborg-Diva, teils Illusion, teils real, deren elektronische Stimme in nicht-hierarchische Gefilde opernhafter Leidenschaften gleitet. Künstlichkeit und Illusion ebnen den Weg zu einer Aufteilung des Sinnlichen.

Das 1919 vom russischen Physiker Lev Termen erfundene Theremin ist ein elektronisches Instrument, welches wegen der menschlichen Qualität seines Klangs oft „die elektronische Stimme“ genannt wurde. Das Theremin wird gespielt ohne berührt zu werden. William Wheeler setzt es in seinen Performances seit 1998 sowohl als klassisches Instrument als auch als autonome Figur ein.

Die künstlerische Praxis von William Wheeler (*1978, lebt und arbeitet in Berlin) reicht von Performances und Filmen, Zeichnungen und Installationen über Poesie und Prosa bis hin zur Tätigkeit als Übersetzer. Unter anderem produziert er gemeinsam mit Stefan Pente Filme und agiert in den gemeinschaftlichen Performances mit Antonia Baehr als Performer, Regisseur und Choreograf. Durch den Rollenwechsel in seinen Arbeitsverhältnissen und die Untersuchung unterschiedlicher Arbeitsmittel und Medien ist ein Œuvre entstanden, dass sich, nebst anderen Themen, mit Fragen nach dem Partizipativen im Bezug auf Identität, Biografie, Gender und Sexualität auseinandersetzt.
www.pente-wheeler.org

Eintritt frei

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27.09.-24.11.2013
Mittwoch, 25. September, 11 Uhr
Eröffnung: Donnerstag, 26. September, 19 Uhr

Lichthof

Slow Runner:

Her Noise Archive II

Slow Runner: Her Noise Archive II präsentiert neues und selten gezeigtes Material aus dem Her Noise Archive und künstlerische Arbeiten, die zahlreiche Verbindungen zu Pauline Boudry/Renate Lorenz’ neuem Film "To Valerie Solanas and Marilyn Monroe in Recognition of Their Desperation" (2013) sowie zu der gleichnamigen Komposition der Avantgarde-Komponistin Pauline Oliveros aus dem Jahr 1970 herstellen. Oliveros’ feministische Musiktheorie griff den patriarchalen westlichen Kanon der Siebzigerjahre auf radikale Weise an. Sie hinterfragte nicht nur die Kategorien des ,Performers’, des ,Zuhörers’ und die Bedeutung und Form der Musik selbst, sondern kritisierte auch den in der feministischen Bewegung verwendeten Begriff der ,Frauenmusik’. Diese vielschichtigen Spannungen werden anhand einer Reihe von Arbeiten aus den Siebzigerjahren der KünstlerInnen Barbara Hammer, Lis Rhodes und Robert Ashley aufgezeigt. Als Reaktion auf die versammelten Positionen gestaltete die Künstlerin Emma Hedditch eine Text- und Posterserie speziell für die Ausstellung im Kunstverein. Die Komponistin und Autorin Cathy Lane wird zum Ende der Ausstellung einen Workshop geben, der sich mit Performance Partituren auseinandersetzt.

Diese Präsentation wird von einer Auswahl aus dem Her Noise Archive begleitet. Die in mehrjähriger Recherche entstandene Sammlung umfasst Schallplatten, CDs, Kassetten, Videos, Bücher, Kataloge, Magazine, Fanzines sowie Interviews mit Künstlerinnen, die mit Sound und experimenteller Musik arbeiten, unter anderem Kim Gordon, Christina Kubisch und Kevin Blechdom. Ursprünglich wurde das Archivmaterial von Lina Dzuverovic und Anne Hilde Neset zusammengestellt, die Electra 2003 gründeten und 2005 die Ausstellung „Her Noise“ in der South London Gallery kuratierten. Seitdem wandert das Archiv durch internationale Kunstinstitutionen und war bereits 2008 im Rahmen der Gruppenausstellung „Pop! goes the weasel“ im Waldstraßensaal des Kunstvereins zu Gast. In den letzten Jahren hat das Her Noise Archive seinen Schwerpunkt von der Bewahrung und Präsentation des versammelten Materials auf eine stete Erweiterung des Bestands verlagert, was unter anderem zur Entstehung des Blogs hernoise.org führte.

Das Archiv, das sich im CRiSAP, London College of Communication befindet, versteht sich als physische Manifestation des Wunsches, Verbindungslinien zwischen den verschiedenen Momenten der Avantgarde zu ziehen: von den radikalen Kompositionen Oliveros’ zu No Wave, Riot Grrrl und anderen, aktuellen Experimenten innerhalb des Feldes von Sound und Feminismus.

www.electra-productions.com
hernoise.org
crisap.org

Kuratiert von Fatima Hellberg und Irene Revell, Electra/London, in Kooperation mit CRiSAP, London College of Communication. Mit freundlicher Unterstützung von LUX/London. Electra wird unterstützt vom Arts Council England.

Lis Rhodes, "Light Reading", 1978

Lis Rhodes, "Light Reading", 1978


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27.09.-24.11.2013
Pressetermin: Mittwoch, 25 September, 11 Uhr
Eröffnung: Donnerstag, 26. September, 19 Uhr

Ausstellung

Pauline Boudry/
Renate Lorenz

Patriarchal Poetry

Der Badische Kunstverein zeigt die erste institutionelle Einzelausstellung von Pauline Boudry und Renate Lorenz in Deutschland. Im Zentrum der Ausstellung steht ihr neu produzierter Film "To Valerie Solanas and Marilyn Monroe in Recognition of Their Desperation" (2013), der in Kooperation mit dem Badischen Kunstverein entstanden und hier erstmals zu sehen ist. Begleitet wird er von den Filminstallationen Toxic (2012) und Salomania (2009).

In seinen vorwiegend filmischen Arbeiten beschäftigt sich das Künstlerinnenduo mit der Entstehung von Fotografie und Film vor dem Hintergrund der Kolonialgeschichte und der Erfindung von Körpernormen. Historische Fotografien, Filme, Texte oder Songs werden zum Ausgangspunkt für die Suche nach alternativen (sexuellen) Praktiken und Lebensentwürfen und vermischen sich mit subversiven Ansätzen aus Pop, Glamour und Camp.

Ihre Filme zeigen Performances, die für die Kamera aufgeführt werden und nur vermittelt durch die Filmprojektion auf das Publikum treffen. Häufig sind projizierte Filme oder Bilder im Bühnenhintergrund dieser gefilmten Performances zu sehen, sodass sich verschiedene Ebenen überlagern. In Salomania reinszeniert beispielsweise der Performer Wu Tsang den hinter ihm projizierten Tanz der Schauspielerin Alla Nazimova im Stummfilm Salome aus dem Jahr 1923. Immer wieder wird in den Arbeiten von Boudry/Lorenz die filmische Illusion gebrochen, indem die PerformerInnen direkt in die Kamera blicken oder sprechen und die Regie oder Kamera selbst ins Bild gerückt wird. So beginnt der/die PerformerIn in Toxic ein Gespräch mit dem Filmteam und thematisiert die hierarchischen Verhältnisse innerhalb des Produktionsprozesses des Films.

Der neue Film To Valerie Solanas and Marilyn Monroe in Recognition of Their Desperation zeigt eine Interpretation der gleichnamigen Komposition aus dem Jahr 1970 der Avantgarde-Musikerin Pauline Oliveros. Performt wird das Stück von den sechs MusikerInnen Rachel Aggs, Peaches, Ginger Brooks Takahashi, Catriona Shaw, Verity Susman und William Wheeler. Die Komposition, bei der Oliveros nach eigener Aussage von Valerie Solanas’ radikal-feministischem SCUM Manifesto beeinflusst war, gesteht den MusikerInnen eine gleichberechtigte Rolle zu und richtet sich gegen die hierarchischen Strukturen traditioneller Musik. Das Interesse der Künstlerinnen gilt insbesondere der Frage, „ob und wie eine Veränderung von Strukturen queere Körper erzeugt, ob musikalische und filmische Formen und Materialien revolutionär werden können.“ Ganz im Sinne des Ausstellungstitels Patriarchal Poetry, der ein Gedicht von Gertrude Stein zitiert, handelt es sich dabei um eine queere Politik, die bei der Geschichte der Ästhetik ansetzt.

Kuratiert von Anja Casser und Nadja Quante.

Pauline Boudry und Renate Lorenz arbeiten seit 1998 an gemeinsamen Projekten. Sie leben in Berlin. 

Einzelausstellungen (Auswahl): 2013 Aftershow, CAPC, Bordeaux / 2012 A Toxic Play in Two Acts, South London Gallery, kuratiert von Electra / 2011 No Future / No Past, als Teil von Chewing the Scenery, Swiss Off-Site Pavillon, 54. Venedig Biennale; No Past, Statements, Ellen de Bruijne Projects, Art Basel / 2010 Contagieux! Rapports contre la normalité, Centre d´Art, Genf; Salomania, Ellen de Bruijne Projects, Amsterdam.

Gruppenausstellungen (Auswahl): 2013 Good Girls-Memory, Desire, Power, National Museum of Contemporary Art, Bukarest / 2012 Accrochage, Musée d´Art, Lausanne; Intense Proximity, Palais de Tokyo, Paris / 2011 Junge Kunst, Kunsthaus Zürich; Coming after, The Power Plant, Toronto / 2010 Lecture Performances, Museum of Contemporary Art, Belgrad.

Die Filminstallation „To Valerie Solanas and Marilyn Monroe in Recognition of Their Desperation“ wurde von der Stiftung Kunstfonds gefördert und mit Unterstützung des Badischen Kunstvereins in Karlsruhe, Electra in London und Les Complices in Zürich produziert.

Im Anschluss an die Ausstellung ist eine gemeinsame Publikation mit CAPC Bordeaux, Electra in London und Les Complices in Zürich geplant.

Mit freundlicher Unterstützung von Pro Helvetia, Schweizer Kulturstiftung.

www.boudry-lorenz.de

Während des Filmdrehs von „To Valerie Solanas and Marilyn Monroe in Recognition of Their Desperation," 2013, Produktionsstill von Andrea Thal

Während des Filmdrehs von „To Valerie Solanas and Marilyn Monroe in Recognition of Their Desperation," 2013, Produktionsstill von Andrea Thal


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