Pressemitteilung


30.09.–27.11.2016
Eröffnung: Donnerstag, 29. September, 19 Uhr

Ausstellung

Falke Pisano

The value in mathematics - How do we learn?

mit/with Luca Frei & Will Holder

Der Badische Kunstverein freut sich mit „The value in mathematics – How do we learn?“ die Künstlerin Falke Pisano in einer umfangreichen Einzelausstellung präsentieren zu können. Im Zentrum der Ausstellung steht Pisanos aktuelle Werkgruppe „The value in mathematics“, die erstmalig in Deutschland gezeigt wird. Neben einem neu für den Badischen Kunstverein produzierten Film wird die Ausstellung eine skulpturale Intervention des Künstlers Luca Frei und eine Serie von Lesungen des Typografen Will Holder integrieren. Eine Reihe von Gesprächen widmet sich Fragen der Verantwortung von künstlerischen Praktiken, Formen und Methoden des Lernens und der Herausforderung von Vielfalt.

In ihrer jüngsten Serie von Arbeiten, „The value in mathematics“, beschäftigt sich Pisano mit der häufig vernachlässigten Beziehung zwischen Mathematik und Kultur. Während einige Arbeiten der Ausstellung den Stellenwert der „Höheren Mathematik“ in Geschichte und Gegenwart diskutieren, untersuchen andere die Möglichkeit der Existenz multipler Formen der Mathematik, die von verschiedenen kulturellen Werten und Praktiken geprägt worden sind.

Die Ausstellung „The value in mathematics“ führt uns Schritt für Schritt entlang der Denkprozesse der Künstlerin, um sie auf der Suche nach einer Antwort auf die Frage “Gibt es unterschiedliche Formen der Mathematik?” zu begleiten und unsere eigenen, kulturell tradierten Denkmuster zu hinterfragen.

Im Anschluss an die Ausstellung erscheint in Kooperation mit The Gallery at REDCAT in Los Angeles/USA und des Centre d'art contemporain - La synagogue de Delme, Delme/Frankreich eine Publikation. 

Falke Pisano (geb. in Amsterdam, NL) lebt und arbeitet in in São Paulo und Amsterdam. Einzelausstellungen: CAC Synagogue de Delme, Delme (2016), REDCAT, Los Angeles (2015), Praxen, Berlin (2014). Gruppenausstellungen: Sydney Biennale (2016), Istanbul Biennale (2013), Venedig Biennale (2009), Manifesta (2008). 2013 gewann sie den Prix de Rome. 


Kuratiert von Anja Casser 

Die Ausstellung wird gefördert vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg.
 

Für weiteres Informations- und Bildmaterial wenden Sie sich bitte an
presse@badischer-kunstverein.de oder rufen Sie uns an unter 0721 28226.

01.07.–11.09.2016
Pressetermin: Mittwoch, 29. Juni, 12 Uhr
Eröffnung: Donnerstag, 30. Juni, 19 Uhr

Ausstellung

Noa Eshkol

Angles & Angels

Donnerstag, 30. Juni, 20 Uhr (im Rahmen der Eröffnung)
Tanzperformance der Noa Eshkol Chamber Dance Group

Samstag, 2. Juli, 11 Uhr & 14 Uhr
Öffentliche Workshops der Noa Eshkol Chamber Dance Group

Der Badische Kunstverein zeigt die israelische Künstlerin, Tänzerin und Tanztheoretikerin Noa Eshkol (1924–2007) in einer umfangreichen Präsentation. Zentrales Moment der Ausstellung sind die beeindruckenden Wandteppiche aus gefundenen Textilresten, von denen Eshkol zu Lebzeiten Hunderte von Exemplaren anfertigte. Zudem zeigt die Ausstellung eine Auswahl an Zeichnungen, Fotografien, Filmen und Texten, die das tanztheoretische Werk Noa Eshkols beleuchten und erstmals in diesem Umfang gezeigt werden. Die Zusammenstellung der Werke erfolgte in enger Kooperation mit der Stiftung The Noa Eshkol Foundation for Movement Notation aus Holon, Israel, die das umfangreiche Archiv der Künstlerin beherbergt.

Noa Eshkols interdisziplinäres Werk weist weit über die Gegenwart bis in die Zukunft künstlerischer Produktion hinaus. 1958 entwickelte sie zusammen mit dem Architekten Avraham Wachman die Eshkol-Wachman Movement Notation – ein System, das Körperbewegungen in Linien, Zahlen und Symbole überführt und in einer Rasterstruktur aufzeichnet. Ursprünglich für den Tanzbereich konzipiert, lässt die Notation Sequenzen von Bewegungen erkennen, die analysiert und reproduziert werden können – ähnlich einer Partitur in der Musik. Dazu reduzierten Eshkol und Wachman den Körper zunächst auf eine Strichfigur, die nur noch aus Gelenken und Gliedmaßen besteht. Sie entwickelten ein kugelförmiges Modell (The System of Reference), um die Verhältnisse der Liniensegmente (Gliedmaße) im dreidimensionalen Raum zu beschreiben. Diese universale Struktur wurde nicht nur im Tanz, sondern auch in anderen Bereichen, in denen Bewegung eine Rolle spielt, eingesetzt, wie beispielsweise in der Neurowissenschaft, der Zeichensprache, der Feldenkrais-Methode oder der Zoologie. Die in der Ausstellung gezeigten Dokumente und Zeichnungen geben einen Einblick in Eshkols Theorien und verdeutlichen ihre Verankerung im postmodernen Denken sowie ihre Nähe zu konzeptuellen Praktiken jener Zeit.

Noa Eshkol entwickelte die Notation zunächst als Antwort auf ihre eigene Unzufriedenheit über das Fehlen eines generativen Hilfsmittels für Komposition im Tanz. Erst durch die Abstraktion von Bewegung zum „Material“ erschien es ihr möglich, den Tanz jenseits üblicher Interpretationsmuster zu artikulieren. 1954 gründete Eshkol die Noa Eshkol Chamber Dance Group, um ihre Bewegungsstudien mit einer kleinen Anzahl von Tänzer_innen umzusetzen. Eshkols Tanzpraxis beruht auf den klaren Strukturen ihrer Notation. Die ausgeführten Bewegungen sind minimal und konzentriert, es gibt keine Erzählung, Bühnenausstattung oder Musik und der Takt wird allein durch ein Metronom vorgegeben.

Ende 1973 begann Eshkol Wandteppiche aus textilen Resten herzustellen. Dazu trennte sie die gefundenen Stoffe auf und kombinierte diese zu neuen Assemblagen, ohne sich das Material vorab zurechtzuschneiden. Später als die Anzahl der Teppiche zunahm benutzte sie Stoffabfälle aus Textilfabriken und –werkstätten. Es gab keine vorbereitenden Skizzen oder Entwürfe; die einzelnen Teile wurden mit Stecknadeln auf einem Hintergrund (z.B. alte Armeedecken, Bettbezüge, Teppiche) befestigt und anschließend von Eshkol und einigen ihrer Tänzer_innen mit der Hand zusammengenäht. Während sich Eshkols Tanzpraxis durch Reduktion und Sachlichkeit auszeichnet, sind ihre Wall Carpets von einer Fülle an verschiedenen Farben, Formen und Materialien geprägt. Was die verschiedenen Praxen aber durchaus vereint, ist ein Interesse an der Arbeit mit vorgefundenem Material (Bewegung oder Stoff), das zu neuen Kompositionen verbunden wird. Auch das Prinzip der Symmetrie und Repetition in einigen der textilen Motive lässt sich durchaus mit dem Formalismus der Notation in Zusammenhang bringen, einige Teppiche wirken fast wie eine festgehaltene Bewegung. Dabei kann ein kleiner Stoffrest zum zentralen Moment der Komposition oder monochrome Bilder durch eine einzige Farbe jäh aufgebrochen werden. Bäume, Kreise, Fenster, Landschaften oder Stillleben sind einige der konkreteren Motive der Teppiche, während andere in einem Spiel aus Transparenz und Opazität bewusst abstrakt bleiben.

Auch wenn Eshkol selbst keine Verbindung zwischen ihren Tänzen und Teppichen herstellte, waren die beiden Sphären in ihrem Privathaus in Holon, Israel, auf das Engste miteinander verknüpft und markierten so einen utopischen Ort, an dem Disziplin, Interaktion und Spontanität nebeneinander existieren konnten. Eshkols Haus war – und ist noch heute – Zentrum des gemeinsamen Studierens ihrer Notation und Tänze. In diesem Sinne präsentiert die Ausstellung ebenso originale Werke von Saya Bin Nun, John G. Harries, Amos Hetz, Tirza Sapir, Avraham Wachman, Shmuel Zaidel und anderer Kollaborateur_innen.

Kuratiert von Anja Casser. Mit besonderer Unterstützung von Mooky Dagan, Maya Pasternak und Mor Bashan.


Noa Eshkol
(*1924, Kibbuz Degania Bet, Palästina – †2007) studierte Musik in Tel Aviv und Tanz an der Tehila Ressler Schule. 1946 zog sie nach London, um mit Rudolf von Laban und Lisa Ullmann an dem Art of Movement Studio in Manchester zu studieren. Anschließend wechselte sie an die Sigurd Leeder Schule für Modernen Tanz in London. 1950 ging sie nach Israel zurück und unterrichtete an verschiedenen Schulen und Universitäten Bewegung und Tanz. Ihre Werke wurden in den letzten Jahren in internationalen Ausstellungen präsentiert, unter anderem im Israel Museum, Jerusalem (2011); LACMA, Los Angeles; Jewish Museum, New York; TBA21, Wien (2012); Musée d’Art Moderne, Paris; in den Opelvillen Rüsselheim (2013), Im Museum of Contemporar Art, Tokyo (2014) und auf der 20. Sydney Biennale (2016).


Die Ausstellung wird in Kooperation mit der Noa Eshkol Foundation for Movement Notation aus Holon/Israel durchgeführt. Unser großer Dank gilt der Galerie neugerriemschneider, Berlin, für die Unterstützung bei der Verwirklichung des Projekts. 

<strong>John G. Harries</strong>, <strong><i>Plane Movement</i></strong>, Illustration, ca. 1950, für das Buch „Movement Notation“ (1958) von Noa Eshkol & Avraham Wachmann.</br>Courtesy The Noa Eshkol Foundation for Movement Notation

John G. Harries, Plane Movement, Illustration, ca. 1950, für das Buch „Movement Notation“ (1958) von Noa Eshkol & Avraham Wachmann.
Courtesy The Noa Eshkol Foundation for Movement Notation


Für weiteres Informations- und Bildmaterial wenden Sie sich bitte an
presse@badischer-kunstverein.de oder rufen Sie uns an unter 0721 28226.

01.07.–11.09.2016
Pressetermin: Mittwoch, 29. Juni, 12 Uhr
Eröffnung: Donnerstag, 30. Juni, 19 Uhr

Lichthof

Ágnes Háy / Dóra Maurer

Film – Bewegung – Trick

     „DER FILM BESTEHT AUS EINZELBILDERN. Ich finde das so wunderbar,              dass ich kaum weitermachen kann, wie ein einfacher Rabbineranwärter, der              nichts gelernt hat, denn sobald der Rabbiner mit Also sprach Gott angefangen          hat, ist er vor Freude in den Garten gelaufen, um zu tanzen.“ (Ágnes Háy, Film –      Mozgás – Trükk [Film – Bewegung – Trick], Budapest 1984).

Unter dem Titel Film – Bewegung – Trick zeigt der Badische Kunstverein im Lichthof Werke der ungarischen Künstlerinnen Ágnes Háy und Dóra Maurer.
Es ist die erste umfangreiche Präsentation der Arbeiten von Ágnes Háy in Deutschland, die von ausgewählten Filmen Dóra Maurers begleitet wird. In den 1970er- und 1980er-Jahren fingen beide Künstlerinnen an, konzeptuell zu arbeiten und Filmexperimente durchzuführen, aus denen dann auch strukturalistische Animations- oder Kurzfilme entstanden. Diese Filme stellen streng regulierte Strukturen über das Medium des Films dar, die oft auf mathematische Methoden zurückgreifen. Die ausgedachten Regelwerke werden als Prozess sichtbar gemacht, wodurch die bis dahin abstrakten mathematischen Prinzipien wahrnehmbare Deduktionen erhalten. Nicht-illusionistische Darstellung, feste Kameraeinstellung und Flimmereffekt sind technische Besonderheiten, die den Filmen der beiden Künstlerinnen eine gewissenhafte, aber zugleich auch spielerische Komponente verleihen.

Der Titel der Ausstellung ist einem Aufsatz Ágnes Háys von 1984 entlehnt, in dem sie die Regeln des Mediums der Animation beschreibt. Der Text ist eine Zusammenfassung ihrer Praxis, aber auch eine Anleitung für Anfänger. Háy folgt den beschriebenen Regeln, experimentiert aber auch mit verschiedenen Techniken und Materialen, wenn sie ihre Filme alleine im Studio dreht. Ihre Arbeiten loten konsequent die verschiedenen Möglichkeiten der von ihr benutzten Medien aus. Auch Dóra Maurer arbeitet mit vielfältigen Medien und Materialien. Ihre präzisen, oft auf mathematischen Grundsätzen basierenden künstlerischen Experimente manifestieren sich in Fotoserien und Filmen, von denen sie einen Großteil im Balázs Béla Stúdió – eine im Jahre 1959 gegründete Filmwerkstatt für Autorenfilm-Produktionen – drehte. Parallel dazu entwickelte sie ihre abstrakte Malerei, die Quasi Bilder, und mehrere grafische Arbeiten.

Ágnes Háy und Dóra Maurer trafen sich regelmäßig in dem Balázs Béla Stúdió oder in dem von Miklós Erdély initiierten „Kreativität–Visualität“-Kurs. Sie arbeiteten zwar gleichzeitig an diesen Orten, jedoch niemals miteinander. Beide Werke markieren aber einen deutlichen, durchaus auch unbewussten Bezug zum strukturalistischen Film, den die Zusammenstellung ihrer Arbeiten in dieser Ausstellung deutlich macht.

Die Präsentation im Kunstverein zeigt die experimentellen Animationsfilme Aus dem Tagebuch eines exzentrischen Gentleman (1972) von Ágnes Háy und Kalah (1980) von Dóra Maurer. Ergänzt werden diese Arbeiten durch die nicht-illusionistischen Kurzfilme Zeitmessung (1973/1980) von Dóra Maurer und Das Warten (1980) von Ágnes Háy. Eine Auswahl weiterer Kurzfilme, Publikationen und grafischer Arbeiten Háys verdeutlicht, wie die Künstlerin ihre in den 1970er-Jahren ausgearbeitete Methode bis heute weiter verfolgt.

Kuratiert von Lívia Nolasco-Rózsás 


Ágnes Háy
(*1952 in Budapest) lebt und arbeitet in London. Die Künstlerin dreht hauptsächlich experimentelle Animationsfilme, produziert aber auch Grafiken und Künstlerbücher und entwarf Theaterkulissen, Kostüme und Puppen. Háy hat keine künstlerische Ausbildung, besuchte aber Miklós Erdély’s „Kreativität–Visualität“-Kurs. Ihre Arbeiten wurden unter anderem in der Kunsthalle, Budapest, Budapest Galerie, in der Serpentine Gallery und in der Alberti Gallery, London, ausgestellt. 

Dóra Maurer
(*1937 in Budapest) arbeitet mit den Medien Film, Fotografie, Malerei und Grafik. Sie studierte von 1955 bis 1961 an der Universität der Bildenden Künste Budapest Malerei und Grafik und beeinflusste durch ihre zahlreichen Lehrtätigkeiten Generationen von ungarischen KünstlerInnen. Ihre Arbeiten sind in zahlreichen Sammlungen vertreten und wurden in internationalen Einzel- und Gruppenausstellungen gezeigt, u.a. Ludwig Múzeum of Contemporary Art Budapest, Kunsthaus Dresden, 12. Istanbul Biennale, mumok – Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien, Österreichisches Kulturforum New York, Tate Modern London. Dóra Maurer lebt und arbeitet in Budapest.


Die Ausstellung wurde mit freundlicher Unterstützung durch das Artpool Art Research Center Budapest realisiert. 

<strong>Agnes Háy</strong>, <strong><i>Aus dem Tagebuch eines exzentrischen Gentleman</i></strong>, 1972 </br> Filmstill

Agnes Háy, Aus dem Tagebuch eines exzentrischen Gentleman, 1972
Filmstill


Für weiteres Informations- und Bildmaterial wenden Sie sich bitte an
presse@badischer-kunstverein.de oder rufen Sie uns an unter 0721 28226.

17.07.2015-30.10.2016
Pressegespräch: Mittwoch, 15. Juli 2015, 11 Uhr
Eröffnung: Donnerstag, 16. Juli 2015, 19 Uhr

Gewölbekeller

31,2 laufende Meter

zur Geschichte des Badischen Kunstvereins

In Kooperation mit der HfG | Karlsruhe

Unter dem Titel „31,2 laufende Meter“ präsentiert der Badische Kunstverein in Kooperation mit der Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe (HfG) ein umfassendes Ausstellungsprojekt zur Geschichte des zweitältesten Kunstvereins in Deutschland. Über einen Zeitraum von drei Semestern haben HfG-Studierende der Kunstwissenschaft, des Ausstellungsdesigns und der Medienkunst über 200 historische Dokumente und Zeugnisse ausgewählt, um anhand von Fotos, Videos und Audio-Aufnahmen signifikante Etappen der fast 200-jährigen Institutionsgeschichte von der Gründung des Kunstvereins im Jahre 1818 bis in die 1990er Jahre anschaulich zu machen.

Die Auswahl der Exponate für die Ausstellung bezieht sich hauptsächlich auf den Archivbestand des Badischen Kunstvereins im Generallandesarchiv Karlsruhe (GLA), der zum jetzigen Zeitpunkt auf 31,2 laufenden Regalmetern die Dokumente seit der Gründung des Kunstvereins 1818 bis in das Jahr 1998 umfasst. Exponate aus dem Stadtarchiv Karlsruhe, der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe und zahlreichen Sammlungen aus ganz Deutschland ergänzen die Auswahl aus dem GLA. Beim Umgang mit den historischen Zeugnissen stießen die Studierenden im Rahmen ihrer Forschungsarbeit auf zentrale Fragestellungen: Wie kann man historische Dokumente für sich sprechen lassen? Wie können Archivmaterialien zeitgemäß präsentiert werden? Welche Rolle spielt ein Original in der Vermittlung von Geschichte? Und wie lässt sich die Geschichte einer Institution, deren Hauptaufgabe das Ausstellen ist, überhaupt ausstellen?

In zehn Kapiteln werden unter anderem die Gründungsgeschichte des Vereins, die Baugeschichte des Gebäudes, die Stellung des Kunstvereins während des Nationalsozialismus, die Genese der Jahresgaben und das sich wandelnde Profil der Ausstellungsinstitution in den letzten Jahrzehnten thematisiert.Dabei werden die Forschungsergebnisse der Studierenden in einer von ihnen eigens konzipierten Ausstellungsarchitektur präsentiert, die die BesucherInnen in den Erkenntnisprozess bewusst mit einbezieht. Die BesucherInnen sind eingeladen, die Rolle wissenschaftlicher ForscherInnen einzunehmen, sich in dem Archiv aufzuhalten, zu lesen und zu studieren. Über die bewusst haptische Aufbereitung wird „31,2 laufende Meter“ zu einem „lebendigen Archiv“.

Das Ausstellungsprojekt versteht sich als Auftakt eines offenen Dialogs mit den Mitgliedern und BesucherInnen des Badischen Kunstvereins. „31,2 laufende Meter“ liegt die Idee zugrunde, den BesucherInnen über die außergewöhnlich lange Laufzeit von mehr als einem Jahr die Möglichkeit zu eröffnen, sich neben den zeitgenössischen Wechselausstellungen im Ober- und Erdgeschoss des Kunstvereins auch die eindrucksvolle Geschichte der Institution zu erschließen. Das Projekt wird über die Ausstellungslaufzeit hinaus durch eine Website ergänzt, die viele der Archivalien sowie Dokumente und Texte digital präsentiert. Diese Form einer digitalen Publikation wurde bewusst gewählt, um die Ergebnisse der Recherchen einer möglichst breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen und das Projekt für weitere Ergänzungen flexibel zu halten.

Ergänzt wird die Ausstellung zudem von einem umfassenden Begleitprogramm, das die BesucherInnen mit WissenschaftlerInnen und Zeitzeugen in einen Dialog setzt und ein Forum zur Reflexion und Diskussion der Geschichte und des Selbstverständnisses der Institution bietet. Am Beispiel des Badischen Kunstvereins stellt die Ausstellung „31,2 laufende Meter“ die besondere Relevanz der Institution Kunstverein als Forum bürgerlicher Öffentlichkeit sowie als Ort der Diskussion und Förderung von Gegenwartskunst dar.

Ausstellungskonzept: Hannah Cooke, Gloria Hasnay, Mira Hirtz,
Ferial Nadja Karrasch, Oliver Krätschmer, Moritz Nebenführ,
Antonia Wagner, Maxim Weirich

Unter Mitwirkung von: Sebastian Baden, Hanna Falk, Sophie Lichtenberg

Wissenschaftliche Betreuung: Oliver Krätschmer, Antonia Wagner

Kuratorische Betreuung: Anja Casser, Nadja Quante

Projektleitung: Oliver Krätschmer, Nadja Quante

Ausstellungsarchitektur: Hubert Distel, Maxim Weirich

Grafisches Konzept: Jonas Fechner, Igor Kuzmic

Grafische Umsetzung: Igor Kuzmic, Erik Schöfer

In Kooperation mit HfG | Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe

Gefördert durch das Land Baden-Württemberg, aus Mitteln des Gewinn-
sparvereins Südwest e.V. der BBBank und durch die pbb Stiftung für Kunst
und Wissenschaft.

Mit freundlicher Unterstützung durch das Generallandesarchiv Karlsruhe, die Badische Landesbibliothek, die Schreinerei Latein/Appenweier, die Adam Wieland GmbH & Co. KG und GROSS Druckart.

Deckblatt der ältesten Unterlagen des Badischen Kunstvereins im Generallandesarchiv Karlsruhe, 1818, GLA-Nr.: 69 Badischer Kunstverein, Nr.1

Deckblatt der ältesten Unterlagen des Badischen Kunstvereins im Generallandesarchiv Karlsruhe, 1818, GLA-Nr.: 69 Badischer Kunstverein, Nr.1


Für weiteres Informations- und Bildmaterial wenden Sie sich bitte an
presse@badischer-kunstverein.de oder rufen Sie uns an unter 0721 28226.