Pressemitteilung


Mittwoch, 15. Mai, 19 Uhr

Gespräch

Kasper König & Garry Neill Kennedy

Kasper König und Garry Neill Kennedy hatten sicherlich zahlreiche Gespräche in ihrer gemeinsamen Zeit in Halifax, als König 1972 Mitbegründer und erster Herausgeber von The Press, dem Verlag des Nova Scotia College of Art and Design (NSCAD), wurde und Kennedy Präsident des Colleges war. Jetzt, 41 Jahre später, treffen sich beide auf Einladung des Badischen Kunstvereins in Karlsruhe im Rahmen der Ausstellung „CONTINENTAL DRIFT. Konzeptkunst in Kanada: Die 1960er und 70er Jahre“ wieder.

Ein Kapitel der Ausstellung widmet sich der kritischen Hinterfragung konventioneller Lehrmethoden und pädagogischer Ansätze im Hinblick auf alternative Konzepte, die am NSCAD Anwendung fanden. The Press widmete sich einem Bereich, der von größeren Verlagshäusern eher vernachlässigt wurde, indem sie sich auf Originalschriften,
Dokumentationen und Projekte von KünstlerInnen konzentrierte, anstatt Texte von Kunsthistorikern oder -kritikern oder Fotobücher über KünstlerInnen zu veröffentlichen. KünstlerInnen wurden in das College eingeladen und verbrachten Zeit mit den Studierenden oder unterrichteten sie, während sie gemeinsam mit dem Herausgeber an ihren Büchern arbeiteten.

In seiner vierjährigen Schaffensperiode in Halifax brachte König neun Publikationen heraus, darunter Bücher von Donald Judd, Yvonne Rainer und Michael Snow, die zur Zeit in der Ausstellung CONTINENTAL DRIFT zu sehen sind.

In Kooperation mit der Staatlichen Akademie für Bildende Künstle Karlsruhe.

Gespräch in englischer Sprache.

Ort:
Badischer Kunstverein, Waldstraße 3, 76133 Karlsruhe
Eintritt  frei


Garry Neill Kennedy (geb. 1935 in St. Catherines, Ontario, Kanada) ist ein kanadischer Konzeptkünstler und Schriftsteller, der in Halifax, Nova Scotia, Kanada lebt. 1967, im Alter von 32 Jahren, wurde Kennedy der bis dato jüngste Präsident des Nova Scotia College of Art and Design. Diese Position hatte er 23 Jahre inne und verschaffte seiner Institution internationale Aufmerksamkeit, indem er KünstlerInnen aus der ganzen Welt ans NSCAD einlud. Kennedys bemerkenswerte Kunst umfasst Konzeptarbeiten, prozessbasierte Malerei und Zeichnung.

Kasper König (geb. 1943 in Mettingen, Westf.) ist Kurator und Professor. Im Alter von 23 Jahren kuratierte er die Ausstellung „Claes Oldenburg“ im Moderna Museet in Stockholm. Bereits während seines Studiums organisierte er Ausstellungen und gab zahlreiche Bücher heraus. In Zusammenarbeit mit Klaus Bussmann rief er 1977 „Skulptur Projekte Münster“ ins Leben. 1985 wurde er Professor für „Kunst und Öffentlichkeit“ am gerade neu eingerichteten Lehrstuhl an der Kunstakademie Düsseldorf. Drei Jahre später wurde er Professor an der Städelschule Frankfurt und 1989 deren Rektor. Zeitgleich war er Gründungsdirektor des Portikus in Frankfurt am Main. Von 2000 bis 2012 war er Direktor des Museum Ludwig in Köln.
 

Im Rahmen der Ausstellung „CONTINENTAL DRIFT. Konzeptkunst in Kanada: Die 1960er und 70er Jahre“

Gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes.
Mit freundlicher Unterstützung durch das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg, das Canada Council for the Arts, das Ontario Arts Council und die Botschaft von Kanada, Berlin.

Publikationen von The Press<br>

Ausstellungsansicht (Detail) CONTINENTAL DRIFT<br>

Foto: Stephan Baumann, bild_raum

Publikationen von The Press
Ausstellungsansicht (Detail) CONTINENTAL DRIFT
Foto: Stephan Baumann, bild_raum


Für weiteres Informations- und Bildmaterial wenden Sie sich bitte an
presse@badischer-kunstverein.de oder rufen Sie uns an unter 0721 28226.

Dienstag, 14. Mai, 19 Uhr

Vortrag

Garry Neill Kennedy

The Last Art College: Nova Scotia College of Art and Design 1968-1978

In Kooperation mit der Staatlichen Akademie der Bildenen Künste findet am Dienstag, 14. Mai, um 19 Uhr der Vortrag des kanadischen Künstlers Garry Neill Kennedy im Vortragssaal der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste statt.

Wie konnte eine kleine Kunsthochschule in der Peripherie Kanadas das Epizentrum der Kunstausbildung in den 1960er und 70er Jahren werden? Diese Frage beantwortet der Kanadier Garry Neill Kennedy, der selbst zu den namhaftesten Konzeptkünstlern seines Landes zählt und von 1967 bis 1990 Präsident des Nova Scotia College of Art and Design (NSCAD) in Halifax war. In seiner jüngst erschienenen Publikation „The Last Art College: Nova Scotia College of Art and Design, 1968-1978“ fasst er seinen Lehransatz wie folgt zusammen: „We began with the simple notion that the college should facilitate and build upon encounters between students and the most interesting artists possible, whether they were permanent faculty members or visitors. The ideas would come first and the structure would follow. With a firm commitment to ideas that mattered, standards, assessments, courses, programs, and timetables would evolve naturally." Vergleichbar mit früheren Institutionen wie dem Bauhaus oder dem Black Mountain College, beherbergte und förderte das experimentelle Umfeld des NSCAD einige der fortschrittlichsten Kunstströmungen seiner Zeit.
Viele GastkünstlerInnen, die mit dem College assoziiert werden, darunter Dan Graham, Sol LeWitt und Michael Snow gehörten in den späten 1960er und 70er Jahren zu den wichtigsten Vertretern der Kunst . In seinem bebilderten Vortrag an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe wird Kennedy seine neue Publikation vorstellen.


In Kooperation mit der Staatlichen Akademie für Bildende Künste Karlsruhe.

Vortrag in englischer Sprache.

Ort
: Vortragssaal der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe, Reinhold-Frank-Str. 67/Vordergebäude
Eintritt frei

 

Garry Neill Kennedy (geb. 1935 in St. Catherines, Ontario, Kanada) ist ein kanadischer Konzeptkünstler und Schriftsteller, der in Halifax, Nova Scotia, Kanada lebt. 1967, im Alter von 32 Jahren, wurde Kennedy der bis dato jüngste Präsident des Nova Scotia College of Art and Design. Diese Position hatte er 23 Jahre inne und verschaffte seiner Institution internationale Aufmerksamkeit, indem er KünstlerInnen aus der ganzen Welt ans NSCAD einlud. Kennedys bemerkenswerte Kunst umfasst Konzeptarbeiten, prozess basierte Malerei und Zeichnung. In seiner jüngst erschienenen Publikation „The Last Art College: Nova Scotia College of Art and Design, 1968-1978“ gibt er einen Einblick in seine Zeit an der Hochschule. Diesen Betrachtungen gilt auch sein Vortrag in der Karlsruher Akademie.


Im Rahmen der Ausstellung „CONTINENTAL DRIFT. Konzeptkunst in Kanada: Die 1960er und 70er Jahre“

Gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes.
Mit freundlicher Unterstützung durch das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg, das Canada Council for the Arts, das Ontario Arts Council und die Botschaft von Kanada, Berlin.



Für weiteres Informations- und Bildmaterial wenden Sie sich bitte an
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19.04.-08.09.2013
Pressetermin: Mittwoch, 17. April 2013, 11 Uhr
Eröffnung: Donnerstag, 18. April, 19 Uhr

Ausstellung

CONTINENTAL DRIFT

Konzeptkunst in Kanada: Die 1960er und 70er Jahre

Teil I: 19.04.-23.06.2013
Eröffnung: Donnerstag, 18. April, 19 Uhr

Teil II: 28.06.-08.09.2013
Eröffnung: Donnerstag, 27. Juni, 20 Uhr

Teile der Ausstellung sind durchgehend geöffnet.

Der Badische Kunstverein zeigt von April bis September 2013 ein umfangreiches Ausstellungs- und Veranstaltungsprojekt zur Konzeptkunst in Kanada, insbesondere über die kunsthistorisch so bedeutenden 1960er und 70er Jahre. Die Ausstellung ist die erste umfassende Präsentation kanadischer Konzeptkunst in Europa und und reiht sich in die fortlaufende Auseinandersetzung des Programms des Badischen Kunstvereins mit der Geschichte der Konzeptkunst ein ('Why here is always somewhere else', 2008, und 'Nancy Holt: Sightlines', 2011). CONTINENTAL DRIFT zeigt Arbeiten von mehr als 100 Künstlerinnen und Künstlern auf allen drei Etagen des Kunstvereins. Wichtige kanadische Protagonisten wie Vera Frenkel, General Idea, Garry Neill Kennedy, Ken Lum, N.E. Thing Co., Michael Snow, Françoise Sullivan, Jeff Wall, Ian Wallace oder Joyce Wieland sind in der Ausstellung vertreten, aber auch US-amerikanische und europäische Künstlerinnen und Künstler wie John Baldessari, Dan Graham, Sol LeWitt, Martha Rosler oder Robert Smithson, die zu dieser Zeit wichtige Werke in Kanada realisierten und die dortige Konzeptkunst nachhaltig beeinflussten.

CONTINENTAL DRIFT widmet sich einer wichtigen und bislang unterrepräsentierten Periode kanadischer Kunst. Die Ausstellung versammelt künstlerische Arbeiten und Dokumente aus zahlreichen Archiven, Museumsbeständen sowie dem Privatbesitz von Künstlern und Sammlern. Sie ermöglicht, die spezifischen Merkmale kanadischer Konzeptkunst zu entdecken – insbesondere die Rolle von Künstlerkollektiven und das Netzwerk von durch KünstlerInnen initiierten Räumen (artist-run centres), aber auch den maßgeblichen Einfluss des kanadischen Medientheoretikers Marshall McLuhan. Mittels eines breiten Spektrums an unterschiedlichen Formaten, die von Video über Film, Print und neue Medien reichen, beleuchtet die Ausstellung die künstlerischen Praktiken, die innerhalb der zeitgenössischen Kunst in Kanada von besonderer Wichtigkeit waren, sich aber auch mit den internationalen Entwicklungen immer wieder berührten.

Thematisch ist CONTINENTAL DRIFT in fünf ineinander verflochtene Kapitel untergliedert, die in zwei aufeinanderfolgenden Teilen gezeigt werden. Anfänglich widmet sich die Ausstellung künstlerischen Auseinandersetzungen mit Geografie, Kartografie, Landschaft und Orten – Themen, die sich aufgrund der enormen geografischen Distanzen in Kanada im gesamten intellektuellen Wirken des Landes offenbarten. Die politischen Implikationen von Sprache, Kommunikation und Diskurs stehen im Zentrum einer zweiten großen Gruppe von Arbeiten. In der kanadischen Konzeptkunst wurde der „linguistic turn“ maßgeblich durch die Kultur und Ideologie der USA bestimmt sowie durch die dominierenden englisch-kanadischen Einflüsse, die sich vor allem auf die frankofone Provinz Quebec auswirkten. Ein weiteres Kapitel widmet sich der kritischen Hinterfragung herkömmlicher Ansätze in Lehre und Pädagogik mit Blick auf die alternativen Konzepte des Nova Scotia College of Art & Design (NSCAD) in Halifax – das als internationales Zentrum früher Konzeptkunst anerkannt ist.

In der zweiten Ausstellungshälfte, die am 28. Juni beginnt, kommen neue Themen-schwerpunkte hinzu: Das Verhältnis von Konzeptkunst und Körperpolitik wird vor dem Hintergrund feministischer und queerer Ansätze diskutiert. Des Weiteren wird die engagierte Eigeninitiative der Künstler thematisiert, die den Charakter der Konzeptkunst in Kanada wie nirgends sonst geprägt hat und sich in der Verbreitungvon kollaborativen Projekten und alternativen Institutionen manifestiert.

CONTINENTAL DRIFT versteht sich als Beitrag innerhalb der aktuellen internationalen Bestrebungen, sich mit der so wichtigen, bislang aber noch unvollendeten Erforschung der Konzeptkunst zu befassen. Im Rahmen dieser Beschäftigung mit der globalen Geschichtsschreibung der Konzeptkunst zeigt dieAusstellung das diskursive Potenzial auf, das durch die Auseinandersetzung mit dem Verhältnis von Zentrum und Peripherie sowie durch die lokalen Perspektiven entsteht.

Parallel zur Ausstellung findet ein umfangreiches Veranstaltungs- und Diskursprogramm statt. Jeder Themenkomplex wird durch Gastvorträge, Künstlergespräche, Workshops, Performances und Filmscreenings begleitet und vertieft. KünstlerInnen, TheoretikerInnen und KritikerInnen aus Kanada und der ganzen Welt werden zu Gast sein, wie unter anderemAlexander Alberro, Iain Baxter& (N.E. Thing Co.), AA Bronson, Garry Neill Kennedy, Kasper König, Suzy Lake, Ian Murray, Lisa Steele und Ian Wallace.

Im Anschluss an das Projekt entsteht eine von Dexter Sinister gestaltete Publikation.

Kuratiert von Barbara Fischer (Justina M. Barnicke Gallery, Hart House, University of Toronto) und Anja Casser (Badischer Kunstverein, Karlsruhe) in Kollaboration mit Grant Arnold (Vancouver Art Gallery, Vancouver), Vincent Bonin (Freier Kurator, Montreal), Catherine Crowston (Art Gallery of Alberta, Edmonton), Michèle Thériault (Leonard & Bina Ellen Art Gallery, Montreal) und Jayne Wark (NSCAD University, Halifax).

Beteiligte Künstlerinnen und Künstler
:
Vito Acconci, Bas Jan Ader, David Askevold, John Baldessari, Bruce Barber, Arthur Bardo and Gary Coward, Marcella Bienvenue, Robert Bowers, Wallace Brannen, Eric Cameron, Colin Campbell, Ian Carr-Harris, Melvin Charney, Tim Clark, Robin Collyer, Carole Condé und Karl Beveridge, Michael de Courcy, Sylvain P. Cousineau und Francis Coutelier, Kenneth Coutts-Smith, Kate Craig, Stephen Cruise, Greg Curnoe, Max Dean, Tom Dean, Jean-Marie Delavalle, Jan Dibbets, Christos Dikeakos, Brian Dyson, Dean Ellis, Gathie Falk, Gerald Ferguson, Michael Fernandes, Vera Frenkel, Jeff Funnell, Charles Gagnon, General Idea, Raymond Gervais, Dan Graham, Rodney Graham, John Greer, Hans Haacke, Noel Harding, John Heward, Douglas Huebler, Image Bank (Michael Morris und Vincent Trasov), Carole Itter, Richards Jarden, Bill Jones, Pat Kelly, Garry Neill Kennedy, Roy Kiyooka, Robert Kleyn, Suzy Lake, Gordon Lebredt, Les Levine, Glenn Lewis, Sol LeWitt, Lee Lozano, Ken Lum, Duane Lunden, Don Mabie, Allan Harding MacKay, Arnaud Maggs, John McEwen, Bruce McLean, Albert McNamara, Ian Murray, N.E. Thing Co., Gunter Nolte, Dennis Oppenheim, Andy Patton, Harold Pearse, Rober Racine, Clive Robertson, Martha Rosler, Tom Sherman, Robert Smithson, Michael Snow, Lisa Steele, Françoise Sullivan, David Tomas, Serge Tousignant, John Van Saun, Bill Vazan, Jeff Wall, Ian Wallace, Theodore Wan, Douglas Waterman, John Watt, Lawrence Weiner, Irene F. Whittome, Joyce Wieland, Martha Wilson, Paul Woodrow, Jon Young, Tim Zuck.

Gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes.
Mit freundlicher Unterstützung durch das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg, das Canada Council for the Arts, das Ontario Arts Council und die Botschaft von Kanada, Berlin.

Ausstellungsansicht, Badischer Kunstverein, Karlsruhe 2013<br>
Foto: Stephan Baumann, bild_raum

Ausstellungsansicht, Badischer Kunstverein, Karlsruhe 2013
Foto: Stephan Baumann, bild_raum


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presse@badischer-kunstverein.de oder rufen Sie uns an unter 0721 28226.

25.01.-01.04.2013
Pressetermin: Mittwoch, 23. Januar 2013, 11 Uhr
Eröffnung: Donnerstag, 24. Januar, 19 Uhr

Lichthof

Émilie Pitoiset /
Hanna Schwarz

Hold Repeat Pause

Der Badische Kunstverein präsentiert die Künstlerinnen Émilie Pitoiset (*1980 in Noisy-le-Grand) und Hanna Schwarz (*1975 in Stuttgart) in einer gemeinsamen Ausstellung im Lichthof des Kunstvereins. Beide Künstlerinnen gehen von Bewegungsmomenten in Tanz, Gesten, Performances und Filmnarrativen aus, stellen aber nicht die Bewegung selbst in den Vordergrund, sondern betonen das Moment zwischen den verschiedenen Körperhaltungen. Sie heben die Bruchstellen als einen Ort hervor, an dem Bedeutungen generiert werden.

Émilie Pitoisetarbeitet mit Fotografie, Film, Installation und Objekten. Ihre Arbeiten gehen meist von gefundenen Bildern wie Fotografien, Filmstills oder Filmausschnitten aus. Die fotografische Serie Giselle (2012) zeigt beispielsweise Turnende bei verschiedenen Übungen in dem Moment kurz bevor die Körperspannung losgelassen wird und die Haltung in sich zusammenbricht. Auf die gefundenen Fotografien hat Pitoiset Linien eingezeichnet, die den Ruhepunkt und die aus dem Ungleichgewicht resultierende Bewegung markieren. Sie untersucht die fotografischen und filmischen Bilder im Hinblick auf ihre narrative Instabilität und spielt damit, dass sich die Bedeutung von Objekten und Szenen nicht durch einen festgehaltenen Sachverhalt erklären lassen. Der Betrachter wird so mit den Grenzen seiner Wahrnehmung und dem Moment konfrontiert, in dem die Unterscheidung zwischen Wahrheit und Fiktion kippt.

Hanna Schwarz arbeitet in den Medien Film, Skulptur und Zeichnung. In ihren Filmen zerlegt sie Performances, Choreografien und alltägliche Bewegungen in ihre elementaren Bestandteile und wirft Fragen nach den Bedingungen für deren Kategorisierung als Tanz oder Geste auf. In ihrer filmischen Arbeit I Love The Body (2009) nimmt Schwarz tänzerische Posen aus einer Performance von Yvonne Rainer ein und hält diese in der Art eines Tableau vivants. Unterbrochen werden die Einstellungen durch tanzende und laufende Beine, die von einem asynchronen Stepptanz-Sound begleitet werden. Durch das Innehalten zwischen den Posen und die ungleichzeitige Tonspur werden die einzelnen Elemente der Choreografie akzentuiert. In der Wiederholung wie in der Imitation erscheint ein schwebendes Moment, das Schwarz auch auf ihre skulpturalen Objekte und Installationen überträgt.

In beiden künstlerischen Positionen tritt der Körper als Speicher sozialer Handlungen in Erscheinung. Das Undefinierte oder Instabile, das zwischen den Bewegungen hervortritt, verweist so auch auf ein utopisches Moment. Gleichzeitig werfen beide Positionen Fragen zur Historisierung und Übertragung von Tanz und Choreografien in andere Medien wie Film und Fotografie auf.

Kuratiert von Nadja Quante.

 
Émilie Pitoiset (*1980 in Noisy-le-Grand) lebt und arbeitet in Paris.

Hanna Schwarz (*1975 in Stuttgart) lebt und arbeitet in London und Berlin.

Mit freundlicher Unterstützung des Institut français in Zusammenarbeit mit dem französischen Ministerium für Kultur und Kommunikation / DGCA.

Hanna Schwarz erhält derzeit das London-Stipendium des Berliner Senats.

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25.01.–01.04.2013
Pressetermin: Mittwoch, 23. Januar 2013, 11 Uhr
Eröffnung: Donnerstag, 24. Januar, 19 Uhr

Ausstellung

Jürgen Drescher

dig it

Der Badische Kunstverein freut sich, Jürgen Drescher mit seiner bislang umfangreichsten Einzelausstellung in Deutschland zu präsentieren. Seit mittlerweile drei Jahrzehnten verhandelt Drescher in seinen Arbeiten die formalen, poetischen und performativen Potenziale der Skulptur vor dem Hintergrund künstlerischer, ökonomischer und ökologischer Prozesse der Wertschöpfung. Die Ausstellung mit dem Titel digit fokussiert auf Dreschers jüngere und jüngste Arbeiten, um von diesen ausgehend gezielte Rückgriffe in die Werkgeschichte zu tätigen, die die Komplexität seines künstlerischen Schaffens über die letzten Jahrzehnte aufzeigen. Drescher ist in erster Linie Bildhauer, arbeitet aber auch mit Texten und Videos. Diese in der Regel eher untergeordneten Formate erfahren im Kunstverein eine neue Präsenz.

Seit Beginn seiner Laufbahn standen die Strategien des Transfers und der Kontextverschiebung im Zentrum von Jürgen Dreschers künstlerischer Methode – das Verschieben von Dingen, Artefakten oder auch Situationen aus ihren alltäglichen Zusammenhängen in den Raum der Kunst. So installierte Drescher bereits 1981 – noch als Student der Klasse von Klaus Rinke an der Düsseldorfer Kunstakademie und im Umkreis von Künstlerkollegen wie Thomas Schütte, Katharina Fritsch oder Reinhard Mucha– eine Bar als künstlerischen Beitrag zur damaligen Jahresausstellung: Die potenzielle Verkaufssituation – die Jahresausstellung als ‚Training’ für den Kunstmarkt – wurde kurzgeschlossen mit der realen Verkaufssituation der Bar. Gerade weil die formal aufs Wesentliche reduzierte Installation zugleich voll funktionsfähig war – Drescher selbst stand hinter der Theke – verwischten sich bereits hier auf produktive Weise die Grenzen zwischen Modell und Wirklichkeit, Form und Performanz, kulturellem und ökonomischem Wert.

Während Jürgen Dreschers Werke der 1980er und 90er Jahre vor allem durch den Transfer oder die Transformation realer Objekte gekennzeichnet waren – wie etwa die Arbeit Scherengitter (1987), die aus- und ineinander verschiebbare Gitterstrukturen aus dem öffentlichen Raum aufgreift und mit der bourgeoisen Architektur des Kunstvereins kontrastiert –, so arbeitet Drescher in den letzten Jahren vor allem mit Verfahren des Metallgusses, vermittels derer er Alltagsobjekte reproduziert. Mit dem Rückgriff auf den Abguss wendet sich Drescher einer genuin bildhauerischen Technik zu, die die Dinge zum Abbild ihrer selbst werden lässt: Leitern, Bänke, Kartons oder Abflüsse, aber auch weiche Materialien wie Kissen, Decken oder Bettücher nehmen trotz aller figurativen Konkretheit im Guss zugleich eine abstrakte, fast minimalistische Formensprache an.

Neben dem Abguss als Reproduktionstechnik hat sich Drescher zuletzt auch der plastischen Modellierung von Figuren und Figurationen zugewandt, wie etwa der neu für diese Ausstellung produzierten Skulpturen Dian und Digit 1974 und Große Deutsche Kunstausstellung 1940, die auch das Zentrum der Ausstellung bilden. Letztere zeigt Hitler auf einer Bank im Haus der Kunst in München sitzend und flankiert von zwei Mitarbeitern des Museums. In dieser Arbeit spiegelt sich die Maßlosigkeit eines politischen Systems wider, das auch vor dem Kulturbetrieb nicht Halt macht und dem sich die Kuratoren scheinbar willenlos unterordnen. Ein anderes Thema, das Drescher immer wieder beschäftigt, ist die kritische Hinterfragung der Methoden wirtschaftlicher Expansion und den damit einhergehenden Folgen einer Ausbeutung natürlicher Ressourcen. Vor diesem Hintergrund sind einige der Werke in der Ausstellung zu lesen. Die Skulptur um die Primatenforscherin Dian Fossey und den Gorilla Digit zeigt eine Szene, in der sich die Wissenschaftlerin dem ausgelassenen Gorilla auf dem Boden liegend vorsichtig nähert. Der Gorilla wurde später in einer der zahlreichen Tötungsaktionen durch Wilderer erschossen und steht für die Ausbeutung der Natur aus rein wirtschaftlichen Interessen. Ebenso der Tuna (2011/2012), eine aus Styropor geschnitzte und mit Epoxydharz übergossene Figur eines toten Thunfisches, der ausgeschlachtet und vereist auf dem Boden des Kunstraums liegt – als Symbol einer durch steigenden Konsum und rücksichtslose Überfischung bedrohten Art.

Eng verknüpft mit diesen Arbeiten sind die Schaukästen mit verschiedenen Textarbeiten Dreschers, in denen er sich anhand von Zitaten oder in einem niedergeschriebenen Dialog mit einem befreundeten Künstler über die Folgen des menschlichen Wachstums auslässt oder durch die plakative Aufforderung thun thun thun sowohl auf den Thunfisch, wie auch auf die permanente Forderung nach mehr Leistung und Produktion anspielt. Das Video Mönch (2012) schließlich zeigt den Künstler selbst, wie er sich seinen morgendlichen Ritualen hingibt und stellt den globalen Katastrophen das positive Bild eines alltäglich praktizierten Lebensprinzips gegenüber.

 

Jürgen Drescher (*1955 in Karlsruhe) lebt und arbeitet in Berlin.

Ausstellungen (Auswahl): 2012 „Goldrausch“, Kunsthalle Nürnberg; FIAC Paris; 2011 Galerie Martin Klosterfelde, Berlin; 2009 „Fund“, Mai 36 Galerie, Zürich; 2008 Shanghai Biennale; „Heavy Metal“, Kunsthalle zu Kiel; 2007 „party!“, Galerie Isabella Czarnowska, Berlin; 2006 „Lichtkunst aus Kunstlicht“, ZKM, Karlsruhe; 2000 „ein/räumen“, Hamburger Kunsthalle.


Mit freundlicher Unterstützung der pbb Stiftung für Kunst und Wissenschaft.

Mit besonderem Dank an die Galerien Mai 36 Galerie, Zürich; Galerie Rodolphe Janssen, Brüssel; Klosterfelde, Berlin und Galerie Suzy Shammah, Mailand.

Ausstellungsansicht Badischer Kunstverein, Karlsruhe 2013<br>
Foto: Stephan Baumann, bild_raum

Ausstellungsansicht Badischer Kunstverein, Karlsruhe 2013
Foto: Stephan Baumann, bild_raum


Für weiteres Informations- und Bildmaterial wenden Sie sich bitte an
presse@badischer-kunstverein.de oder rufen Sie uns an unter 0721 28226.

Publikation

Michaela Meise:
Ding und Körper

Hrsg. v. / Ed. by Michaela Meise und / and Anja Casser/Badischer Kunstverein Mit Essays von / With essays written by Anja Casser und / and Manfred Hermes sowie einem Gespräch zwischen / and an interview with Michaela Meise und / and Annette Maechtel.

Michaela Meise (geboren 1976) arbeitet in den Formaten Video, Zeichnung, Performance und Skulptur. Sie untersucht Prinzipien skulpturaler und architektonischer Anordnung sowohl unter dem Aspekt ihrer gestalterischen Ausführung als auch in Bezug auf ihre politischen und sozialen Kontexte. In dieser Publikation stehen zwei Werkgruppen Meises im Mittelpunkt: Während die eine Gruppe um das unbelebte Objekt kreist, widmet sich die andere dem menschlichen Körper.

Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln, 2012
184 Seiten, Deutsch / Englisch
27,2 x 21,2 cm, Softcover
mit zahlreichen farbigen Abbildungen
Gestaltung: Heimann und Schwantes
ISBN 978-3865607751

Erhältlich für 34,- Euro im Badischen Kunstverein und 30,- Euro für Mitglieder.


Bestellungen bitte an gabi.johannson@badischer-kunstverein.de



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Badischer Kunstverein erhält ADKV-ART COLOGNE Preis für Kunstvereine 2012

Wir freuen uns sehr, Ihnen mitteilen zu können, dass der Badische Kunstverein den diesjährigen ADKV-ART COLOGNE Preis für Kunstvereine gewonnen hat!

Der Preis, der seit 2006 in Kooperation von der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Kunstvereine (ADKV) und der ART COLOGNE ausgelobt wird und für den zwölf Kunstvereine nominiert waren, ist mit 8.000 Euro dotiert und bewertet Kriterien wie etwa die Förderung zeitgenössischer Kunst und experimenteller künstlerischer Ansätze, sowohl im regionalen als auch im internationalen Raum.

Ausdrücklich würdigte die Jury auch die GAK Gesellschaft für Aktuelle Kunst in Bremen mit einer lobenden Anerkennung.

Mitglieder der Jury waren Dr. Sven Beckstette (Texte zur Kunst), Johan Holten (Staatliche Kunsthalle Baden-Baden), Dr. Thomas Köhler (Berlinische Galerie), Dr. Angelika Nollert (Neues Museum, Nürnberg) und Barbara Weiss (Galerie Barbara Weiss, Berlin).

Die Jury begründete ihre Entscheidung folgendermaßen:
„Das Programm des Badischen Kunstvereins ist gekennzeichnet durch unterschiedliche Formen des Kontrastes: So wechseln sich konsequent Einzel- und Gruppenausstellungen ab, werden junge internationale Positionen ebenso gezeigt wie im geschickten Rückgriff bislang wenig beachtete Arbeiten aus den 1960er bis 80er Jahren, die für ein Verständnis zeitgenössischer Kunst heute entscheidend sind. Gleichzeitig aber überzeugt das Programm durch eine besondere Stringenz in Werkauswahl und Themensetzung. Darüber hinaus gelingt dem Badischen Kunstverein einerseits die Aufrechterhaltung und Pflege von Kunstvereinstraditionen, wie Mitgliederausstellungen und Jahresgaben, und andererseits eine fundierte Anbindung an das Hochschulmilieu.“

Der Preis wurde zusammen mit dem ADKV-ART COLOGNE Preis für Kunstkritik am Samstag, den 21. April 2012 um 16 Uhr in der Monopol-Lounge auf der ART COLOGNE verliehen.

Foto: Koelnmesse

Foto: Koelnmesse


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