Pressemitteilung


30.01.-06.04.2015
Pressegespräch: Mittwoch, 28. Januar 2015, 11 Uhr
Eröffnung: Donnerstag, 29. Januar 2015, 19 Uhr

Ausstellung

Kerstin Cmelka

mit Manuel Gorkiewicz, Mario Mentrup, Hanno Millesi und Mandla Reuter

Der Badische Kunstverein zeigt die Künstlerin Kerstin Cmelka in einer umfangreichen Einzelpräsentation. Cmelka arbeitet vorwiegend mit Video, Fotografie und Performance. Ihre Arbeiten basieren oftmals auf populären Vorbildern aus Theater, Kunst und Film, die Cmelka adaptiert und reinszeniert.

Im Zentrum der Ausstellung stehen ihre seit 2008 produzierten Mikrodramen. Das sind einerseits kurze dramatische Fragmente, Volkstücke oder -lieder, in denen die Künstlerin bekannte Theaterdialoge oder klischeehafte Spielfilmszenen mit befreundeten Künstlern aus ihrem unmittelbaren Umfeld nachstellt und subtilen Verfremdungseffekten unterzieht (Mikrodrama Installation 2010, kleiner Saal). Andererseits hat Cmelka in ihrer aktuellsten Mikrodrama-Produktion (Mikrodrama #11, 2014, großer Saal) Laien und professionelle Schauspieler eingeladen, eigens verfasste Skripte gemeinsam zu realisieren. Die Künstlerin ist dabei Regisseurin und Schauspielerin in einer Person und wechselt gekonnt zwischen den Charakteren. Verschiedene Machtkonstellationen in Kunst und Leben werden entlarvt – allerdings ohne dass dabei die damit geäußerte Gesellschaftskritik in Stereotypen verharrt; vielmehr werden diese auf humorvolle Weise wieder aktiv und produktiv gemacht.

Die Texte von Mikrodrama #11 basieren auf privat geführten Gesprächen mit Künstlern ihrer Generation und umkreisen eine Sehnsucht nach Adoleszenz. So auch die gleichnamige Fotoserie, in der Jugendfotos der Protagonisten von Mikrodrama #11 re-fotografiert und ausschnitthaft in Szene gesetzt werden. Die Textilskulptur ist die Vergrößerung eines bekannten Kinderzimmer-Objekts und fungiert wie die Hand im kleinen Saal sowohl als eigenständige Skulptur, als auch als Sitzmöbel zum Verweilen und Betrachten der Videos. Eingebaute Türen trennen die einzelnen Installationen voneinander und lassen die Ausstellungsräume wie Zimmer einer großen Wohnung wirken.

Ausgehend von diesen bestehenden Arbeiten weitet Cmelka ihr Interesse an den Techniken des professionellen Schauspiels – oder was gemeinhin als solches bewertet wird – in der Ausstellung aus. Eine neue Fotoserie thematisiert das sogenannte „Song and Dance Exercise“, ein Element des „Method Actings“, in der ein Coach die Schauspieler zum Intonieren selbst gewählter Lieder und gleichzeitigen spontanen Bewegungsabläufen animiert. Die den gesamten Körper mit einbeziehende Übung hilft einerseits Spannungen loszulassen und eingefahrene Körpermuster abzubauen, andererseits Energie zu bündeln und Konzentration zu schärfen. „Neu zusammengesetzt“ kann der Performer danach seine zwei wichtigsten Werkzeuge, seinen Körper und seine Stimme, wieder mit für seine Rolle prägnanten Erfahrungen und Erinnerungen „auffüllen“ und so die für das „Method Acting“ wichtigste Methode, das „emotional recall“ knopfdruckartig ausführen.

Eine neue Theaterperformance mit dem Titel „The Song and Dance Exercise“ führt die Fotoserie sowie eine Soundinstallation im Waldstraßensaal fort und wird zusammen mit einem Konzert von Pasadena Projekt am 6. März uraufgeführt.

Die Ausstellung nimmt auch das Moment der Kollaboration oder Komplizenschaft in Cmelkas Praxis ernst. Die Künstler Manuel Gorkiewicz, Mario Mentrup, Hanno Millesi und Mandla Reuter wurden eingeladen, eigene Arbeiten in genau jene Installationen Cmelkas zu integrieren, bei denen sie als Schauspieler, Berater, Mentoren oder Freunde wesentlich beteiligt waren. Manuel Gorkiewicz hat für die Performance-Bühne im Waldstraßensaal eine neue skulpturale Arbeit entworfen, die unter anderem Textfragmente der Performance aufnimmt. „Shuteye“ ist ein von Mandla Reuter programmierter Getränkeautomat im ersten Kabinett, der – ähnlich wie die Videoinstallationen von Cmelka – einer künstlichen Choreografie folgt. Die alternierenden Tonspuren in Mikrodrama #11 werden von dem Musikstück „Springtime“ des Schauspielers Mario Mentrup (Pasadena Projekt) unterbrochen und interagieren mit den Loops der Videos. Der Schriftsteller Hanno Millesi liest seinen Text „Ambulanz“, der aus einer Flechtvase hinaus in die Mikrodrama Installation 2010 tönt.

Kuratiert von Anja Casser.

„Mikrodrama #11“ wird in Kooperation mit dem Kunstverein Langenhagen präsentiert.

Mit freundlicher Unterstützung des Österreichischen Bundeskanzleramts.
 

Kerstin Cmelka (*1974 in Mödling, Österreich) lebt und arbeitet in Berlin. Ihre jüngsten Einzelausstellungen umfassten Mikrodrama #11, Kunstverein Langenhagen, Surviving a shark attack on land, Museum of Contemporary Art, Roskilde, Kunst und Lebensform, Halle für Kunst und Medien, Graz und Art and Life, Lunds Konsthall, Lund. Ihre Arbeiten waren zudem in folgenden Ausstellungsräumen zu sehen: Taylor Macklin, Zürich, KW 69 – Kunstwerke Berlin, Museum of Contemporary Art, Roskilde, Contemporary Art Gallery, Vancouver, Castello di Rivoli, Turin, Kunstverein Lingen, Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen, Düsseldorf, 2. Moskauer Biennale der Zeitgenössischen Kunst, Moskau und Busan Biennale, Busan.

 

<strong>Kerstin Cmelka</strong>: aus der Serie <strong><i>Circumstance and Circumvolution</i></strong>, 2015

Kerstin Cmelka: aus der Serie Circumstance and Circumvolution, 2015


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30.01.-06.04.2015
Mittwoch, 28 Januar 2015, 11 Uhr
Eröffnung: Donnerstag, 29. Januar 2015, 19 Uhr

Lichthof

Marie Lund

Flush

Unter dem Titel Flush zeigt die dänische Künstlerin Marie Lund ihre erste institutionelle Einzelausstellung in Deutschland. Im Zentrum steht eine neue Serie von Skulpturen, Torso (2014-2015), die von weiteren aktuellen Arbeiten begleitet wird.

Lunds künstlerische Praxis ist eine genuin bildhauerische, auch wenn ihre Arbeiten herkömmliche Vorstellungen von skulpturaler Form und Materialbeschaffenheit deutlich unterwandern. Ihr Interesse gilt vielmehr der Transformation des Materials, wie sie durch den künstlerische Eingriff erst initiiert wird oder sich durch Jahre des Gebrauchs in den Objekten bereits selbst abzeichnet. Es ist ein steter Prozess von Form nehmen und Form geben, der Lunds Herangehensweise charakterisiert.

Die neu für die Ausstellung angefertigten Casts (2014) vollziehen eine Wandlung vom Gegenständlichen zum Abstrakten. In dieser Arbeit sind es die Rück- und hohlen Innenseiten von Gipsfiguren der Königlich Dänischen Abguss-Sammlung, die Lund mit blauem Wachs ausgießt. Es entstehen abstrakte Formen, deren Oberflächen die figurativen Merkmale der Plastiken – wie Nasen, Augen und Münder – noch erahnen lassen, zugleich aber auch Spuren des ursprünglichen Werkprozesses – das Modulieren der Plastiken von innen – aufweisen.

Die Aufmerksamkeit der Künstlerin gilt dabei der Oberfläche eines Objekts, die als filigrane Membran zwischen dem Innen und Außen kommuniziert. Die Leinwände in Stills (2014) sind gebrauchte Gardinen, die die Künstlerin während eines Aufenthalts in Arizona entdeckte. Sie sind ungleichmäßig verblichen, nachdem der drapierte Stoff jahrelang dem gleißenden Licht der Wüstensonne ausgesetzt war. Was bleibt, ist das Abbild eines Gegenstands, dessen Gebrauch sich wie bei einer lang belichteten Fotografie in das Material eingebrannt hat. In der zentralen Arbeit Torso führt Lund ihr Interesse an dem Verhältnis von Volumen und Oberfläche konsequent weiter, indem sie die weichen Abdrücke von Stoffen mit der harten Materialität des Betongusses kombiniert. Pullover werden direkt in die Gussform gelegt und nach dem Gießen und Trocknen wieder abgezogen, wobei Reste des Gewebes im Beton haften bleiben. Sie sind eigenständige Skulpturen und dienen zugleich als Sockel für kleinere Objekte in der Ausstellung. Bei Hand Full (2014) handelt es sich um Bronzeabgüsse von Lunds Hosentaschen. Sie sind Ausdruck der Erfahrung des Haltens und Gehaltenwerdens. Auch in der Serie Loads (2014), für die die Künstlerin das Innere von Rucksäcken ausgegossen hat, ist dieser Prozess der Transformation von Leere in Substanz gegenwärtig.

Dieses Spiel mit vermeintlichen Diskrepanzen zwischen Material und Form, Körper und Fläche, Gegenständlichkeit und Abstraktion, Träger und Werk ist paradigmatisch für Lunds vielschichtigen Umgang mit dem Format der Skulptur.

Kuratiert von Anja Casser.


Marie Lund (*1976 in Kopenhagen) lebt und arbeitet in London. Ihre jüngsten Einzelausstellungen umfassten „Dip“ Laura Bartlett Gallery, London, „Statements“, Art Basel, „Drums“, Museo Marino Marini, Florenz, „Back Pack“, Proyectos Monclova, Mexico City und „Clickety Click“, Croy Nielsen, Berlin. Ihre Arbeiten wurden außerdem in folgenden Institutionen gezeigt: Kunstmuseum Krefeld, Museum of Contemporary Art Detroit, Sorø Kunstmuseum, Kölnischer Kunstverein, Kunsthalle Mulhouse, De Vleeshal, Middelburg, Contemporary Art Museum, St. Louis, Nomas Foundation, Rom, David Roberts Foundation, London, Kunstverein Braunschweig, The Swiss Institute, New York und CCA Wattis Institute for Contemporary Art, San Francisco.

<strong> Marie Lund</strong>, <i> Torso, 2014</i>, Detail, Courtesy Laura Bartlett Gallery, London und
Croy Nielsen, Berlin

Marie Lund, Torso, 2014, Detail, Courtesy Laura Bartlett Gallery, London und Croy Nielsen, Berlin


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