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22.-24.11.2018

200 Jahre // Symposium

Kathy Acker
SYMPOSIUM

mit Dodie Bellamy, Hanjo Berressem, Ruth Buchanan, Georgina Colby, Leslie Dick & Audrey Wollen, Claire Finch, Johnny Golding, Anja Kirschner, Douglas A. Martin, Jason McBride, Karolin Meunier & Kerstin Stakemeier, Daniel Schulz, McKenzie Wark

Die amerikanische Autorin Kathy Acker (1947–1997) war eine der einflussreichsten Schriftsteller*innen des 20. Jahrhunderts. In ihren zahlreichen Romanen, Essays, Gedichten und Novellen, die von Anfang der 1970er bis Ende der 1990er Jahre entstanden, bediente sie sich den Mitteln der experimentellen und avantgardistischen Literatur. Als Postmodernistin, Plagiatorin und Post-Punk Feministin hat sie mit ihrem Werk zwei Generationen von Schriftsteller*innen, Philosoph*innen und zahlreiche Künstler*innen inspiriert. Im Rahmen der ersten umfassenden Ausstellung zu Kathy Acker im Badischen Kunstverein sind internationale Künstler*innen, Schriftsteller*innen und Wissenschaftler*innen eingeladen, um in einem dreitägigen Symposium über Ackers Werk in Form von Vorträgen, Lesungen und Performances zu diskutieren. Auch Ackers eigene Praxis war vielschichtig und verzweigte sich in die verschiedenen Bereiche der Kunst, Literatur, Philosophie, Musik und des Films. 

Themen und Figuren entspringen ihren Texten ebenso zahlreich wie vielfältig – von Pirat*innen, Spinnen, Mädchen und Außenseiter*innen bis zur Geschlechterplastizität, von formalen Stilelementen bis zur Performativität, zu Archiven, Eigentum und Enteignung, Affekt und Patriarchat sowie von dem Netz aus verkörperten Gedanken zu der Leidenschaft denkender Körpern.

PROGRAMM

Do., 22. November

18 Uhr
Vortrag von Douglas A. Martin
In Memoriam to Acker’s Biography
An einem Punkt in ihrer künstlerischen Praxis überlegte sich Kathy Acker eine Biografie zu schreiben, doch das Leben kam dazwischen. Martin untersucht, was stattdessen entstanden ist: Genauer eine poetische und schriftstellerische Legende, Prozesse der Transformation und andere Herausforderungen beim Verfassen des Romans In Memoriam to Identity.

19 Uhr
Lesung von Karolin Meunier
“Let´s pretend history of the future is autobiography of the present”
Sich Kathy Acker über die Notizen in den Büchern ihrer an der Universität zu Köln archivierten Bibliothek annähernd, haben Karolin Meunier und Kerstin Stakemeier einen Dialog über Eigentum und Selbst-Enteignung begonnen. Karolin Meunier präsentiert ihre gemeinsamen Ergebnisse und Limitierungen.

20 Uhr
Performance von Johnny Golding
Pussy, King of the Feminists (Pirate Version)
Golding huldigt der typischen unverfrorenen, erotischen Virtuosität von Kathy Acker, indem sie Ackers Pussy als die Autobiografie unserer Welt präsentiert: der Außenseiter*innen, Monster, „Radical Fairies“, Amazonen; diese seltsamen Pussy-Kreaturen, die Acker als in den Weiten der Fantasie und der Rinnsteine gestrandete Pirat*innen erkannt hat.

Fr., 23. November

17 Uhr
Vortrag von Claire Finch
„My construct (a cunt) and I had to find the code“: Kathy Acker und die Suche nach einer queeren experimentellen Zukunft im Vermächtnis französischer Feminist*innen
Claire Finch beleuchtet Kathy Ackers Auseinandersetzung mit den Theorien des französischen Feminismus und dem experimentellen Schreiben. Sie untersucht die Schriften der Autorin, um scheinbar konfrontative Zweige feministischen Denkens miteinander zu verbinden und Acker in einer fortlaufenden Genealogie queerer, experimenteller Literatur zu positionieren.

18 Uhr
Präsentation von Jason McBride
What It Means to Be Avant-Garde: How the Art World Created Kathy Acker
Acker war bekannt für ihre literarischen Plünderungen auf der Suche nach Material und die vielfältigen Kunstszenen in New York, Toronto und Kalifornien der 1970er-Jahre lieferten ihr die Methodik, Gemeinschaft und finanziellen Mittel, um ihre frühen, wegweisenden Bücher zu schreiben.

19 Uhr
Vortrag von Hanjo Berressem
Kathy Acker: Writing Affect
Hanjo Beressem untersucht Kathy Ackers Schreiben als Produktion von „Landschaften des Affekts“, die eine neue Art des Lesens erfordern. Statt zu einer hermeneutischen Lektüre soll es zu einer Art „inhärent affektiven Lektüre“ anregen, die dem „affektiven Schreiben“ Ackers angemessen scheint. 

20 Uhr
Dialog von Leslie Dick & Audrey Wollen
Extended Families
Prince singt: If we cannot make babies, maybe we can make some time. Bücher sind beides und nichts davon, verkörperte Objekte, die ausschwärmen und sich verteilen. Wie bei Liebenden und Kindern besteht ihr Drama darin, verlassen zu werden: Können wir diese Intimität (Lesen, Ficken, Saugen) für immer bewahren? 

Sa., 24. November

12 Uhr
Gespräch in der Ausstellung mit Daniel Schulz über den Kathy Acker Reading Room

13 Uhr Mittagspause

14 Uhr
Vortrag von Anja Kirschner
MY A-C-K-E-R. DEMONOLOGY.
In der postapokalyptischen Gegenwart der Reagan- und Thatcher-Jahre fragte sich Kathy Acker, welche Möglichkeiten die Sprache überhaupt noch in sich barg. Sie las Wittgenstein, machte Bodybuilding und bezog sich auf Hannah Arendt. Kirschner geht in ihrem Beitrag von Ackers wegweisenden Text Writing, Identity, and Copyright in the Net Age (1995) aus. 

15 Uhr
Vortrag von Georgina Colby
Avant-textes: Kathy Acker´s Manuscript Practic
In ihrem Vortrag adressiert Colby den Zusammenhang zwischen experimenteller Komposition, Materialität, Intention und der Entstehung neuer Formen nicht-konventioneller Bedeutung in Kathy Ackers Manuskripten. Ein „Close Reading“ von Ackers Archivwerken, insbesondere der in der Ausstellung präsentierten Arbeiten. 

16 Uhr
Gedanken von Dodie Bellamy
Gut Brain: the Peristaltic Logic of Kathy Acker
Dodie Bellamy untersucht Ackers Strategien, das Erfundene, Erinnerte, Gesehene und Gestohlene durcheinander zu würfeln, um den Schwindel der westlichen Rationalität zu entlarven und diskutiert darüber hinaus den tiefgreifenden Einfluss, den Ackers Ungezähmtheit und Härte auf ihr eigenes Schreiben hatte.

17 Uhr Pause

18 Uhr
Lesung von Ruth Buchanan
All at the same time
All at the same time ist ein Text, der aus Ruth Buchanans genauer Lektüre von Ackers Essay Against Ordinary Language: Language of the Body entstanden ist und diesen zu einer Erkundung der Beziehung zwischen Körper, Archiv und Macht ausweitet.

19 Uhr
Vortrag von McKenzie Wark
Philosophy for Spiders
McKenzie Wark nähert sich weniger der Schriftstellerin als der Philosophin Kathy Acker, um ihrem Werk eine konsistente philosophische Praxis der low theory zu extrahieren. Wofür waren diese schriftstellerischen Taktiken eigentlich gedacht? Vielleicht verfolgte sie eher eine low theory als eine high theory, eine Art „Spinnentaktik“.

20 Uhr
Offene Diskussion
Alle Teilnehmer*innen und Besucher*innen sind zu einer Diskussionsrunde eingeladen, die auf den Beobachtungen und verbliebenen Fragen des Symposiums basiert.

Alle Veranstaltungen des Symposiums sind auf Englisch.

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