
Pressemitteilung

10.7.-15.11.2026
Pressegespraech: 8.7.2026, 11 Uhr
Eroeffnung: 9.7.2026, 19 Uhr
Ausstellung
CC Hennix
One Darks, Two Darks
Mit CC Hennix (1948, Stockholm – 2023, Istanbul) zeigt der Badische Kunstverein eine Künstlerin, deren Pionierleistung zwischen Kunst, Musik und Mathematik erstmals umfassend in Deutschland vorgestellt wird. Hennix war Avantgarde-Komponistin, bildende Künstlerin, Dichterin und Mathematikerin, deren Werk von einem konsequenten Streben nach Intermedialität und Grenzüberschreitung durchdrungen und von einer Auseinandersetzung mit Spiritualität und transfeministischer Ästhetik geprägt ist.
Auch wenn sie vor allem als Musikerin bekannt ist, so bezieht sich Hennix auch auf bedeutende künstlerische und intellektuelle Debatten des 20. Jahrhunderts (Fluxus, Formalismus in der Poesie, mathematische Linguistik). Die Ausstellung über alle Ebenden des Hauses zeigt Installationen, Skulpturen, Soundarbeiten, Videos und Texte aus fast 50 Jahren eines komplexen künstlerischen Schaffens.
So wird der Kunstverein einmal mehr zur Bühne einer legendären Künstlerin, die zu Unrecht in Vergessenheit geraten ist und einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird. Das Projekt ist eine Kooperation mit der Konsthall Malmö und der unabhängigen kuratorischen und publizistischen Plattform Blank Forms in New York.
Die Ausstellung wird gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes. Gefördert von dem Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.
presse@badischer-kunstverein.de oder rufen Sie uns an unter 0721 28226.

13.2.2026-14.6.2026
11.2.2026, 11 Uhr
Eroeffnung: 12.2.2026, 19 Uhr
Ausstellung
Anna Barham
delirious mantra
In einem digitalen Kontext, der uns dazu verleitet, an eine nahtlose und unmittelbare Kommunikation zu glauben, wird die körperliche Reibung in der Sprache zu etwas, das geglättet werden muss. Systeme wie die automatische Spracherkennung sind geprägt von hegemonialen Vorstellungen darüber, welche Stimmen zählen, welche Akzente lesbar sind und welche Formen der Sprache es wert sind, anerkannt zu werden. Was geht verloren, wenn Sprache ihrem Widerstand beraubt wird? Welche Arten des Sprechens und welche Körper werden an den Rand gedrängt?
Anna Barham (*1974, Sutton Coldfield), die ihre erste umfassende Einzelausstellung in Deutschland im Badischen Kunstverein präsentiert, entzieht sich dieser Glättung von Sprache und rückt stattdessen das Unübersetzbare und nicht Reduzierbare ins Zentrum unserer Aufmerksamkeit. Dafür hat die Künstlerin über 20 Jahre hinweg eine eigene Schreibpraxis entwickelt, zunächst in Form von baumartigen Anagrammen, die als Wortspiele eine Neuanordnung von Buchstaben und somit eine stete Transformation poetischer Texte ermöglichen. Sprache wird mit dem Bildlichen und Performativen verbunden, um herauszukristallisieren, welche assoziativen Bedeutungen einem Wort inhärent sein können, die aber erst durch eine neue Verschiebung seiner einzelnen Teile zum Vorschein treten.
In der Videoarbeit Magenta, Emerald, Lapis (2009) beispielsweise arrangiert Barham die sieben Teile eines quadratischen Tangram-Puzzles auf einem Leuchtkasten neu, um eine Buchstabenfolge zu bilden – eine simple aber wirkungsvolle Transformation von Symbolen und Bedeutungen. Dieses Interesse an Sprache als plastisches Material ist in allen Arbeiten der Ausstellung präsent. In der raumgreifenden Arbeit Out of the gravel (2022/2026) legen sich Buchstaben und Texte über und unter die institutionelle Architektur und ihrer Ausstattung. Gedruckt auf einem 32 Meter langen Papier werden die Texte um Kabel und Schnüre, über Türen, Wände, Fenster und Ecken tapeziert und dabei fragmentiert; sie gehen verloren und tauchen wieder auf. Durch die verschiedenen Bewegungen und Leserichtungen der Betrachter:innen (vertikal, horizontal, vorwärts, rückwärts) unterliegt das fortlaufende Skript einer ständigen Neuinterpretation.
Die Ausstellung ist geprägt von Sounds und Stimmen – delirious mantras. In dem Video Sick Ardour (2017) beleuchtet die Künstlerin den Körper und den vertrauten Ruf einer Zikade und erkundet dessen Durchlässigkeit für Bild und Raum, während in dem 2-Kanal Video Double Screen (2013) ein großformatiger UV-Drucker Texte und Wörter als Produkte erstellt.
Seit 2013 arbeitet Anna Barham mit der Fehleranfälligkeit von Spracherkennungen, um neue Bedeutungen, Themen und Charaktere zu generieren. Indem sie sich mit der Umwandlung von Lauten aus dem Mund in Zeichenketten durch die Software beschäftigt, rückt sie die Materialität der Stimme, ihre Unterbrechungen und Auslassungen in den Vordergrund (Atmen, Lachen, Stottern, Stolpern).
Für Barham sind es genau diese Texturen und Prozesse des Verhörens, die das Potenzial der Stimme ausmachen. In ihrer neuen Soundarbeit ZYX (2026) betrachtet sie die durch automatische Spracherkennung verursachten Fehler als Halluzinationen und untersucht, inwiefern diese mit menschlichen Halluzinationen vergleichbar sind. Was zunächst wie ein falsch wahrgenommener Text anmutet, ist stattdessen eine neue Art des Denkens und Schreibens in radikaler Opposition zur Automatisierung, Normierung und Autorität.
Kuratiert von Anja Casser
Die Ausstellung wird gefördert durch den Innovationsfonds Kunst des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg.
Anna Barham (*1974, Sutton Coldfield) lebt und arbeitet in London. Sie arbeitet mit Video, Sound, Print, Installation und Performance. In ihrer Arbeit beschäftigt sie sich mit Sprache, die sich zwischen verschiedenen materiellen Formen, Technologien und Körpern bewegt. Barham studierte Mathematik und Philosophie an der Universität Cambridge, bevor sie von 1997 bis 2001 Kunst an der Slade School of Fine Art in London studierte. 2019 war sie Artist in Residence am St John's College der Universität Oxford. Sie ist Dozentin an der Ruskin School of Art in Oxford sowie an der University of the Arts in London und schließt derzeit ihren praxisorientierten PhD an der Universität Oxford ab.
Zu ihren jüngsten Projekten gehören Every sound we make: dysfluency, voice, transcription, Feminist Duration Reading Group, CCA Goldsmiths, London, Großbritannien (2025); Magenta, Emerald, Lapis, The Tanks, Tate Modern, London, Großbritannien (2023); Des Voix Traversees, Institut D'Art Contemporain Villeurbanne FR (2022); Seasferic, Whitstable Biennale, Whitstable, Großbritannien (2022); /S/T/R/O/B/E////L/I/C/K////, Flat Time House, London, Großbritannien (2021); Liquid Crystal Display, Site Gallery, Sheffield, Großbritannien und MIMA, Middlesbrough, Großbritannien (2019) und A sentence can be ours and ours, Playground Festival, Museum M, Leuven, Belgien (2016). Sie hat die Bücher Poisonous Oysters (2019) und Return To Leptis Magna (2010) veröffentlicht, welches vollständig aus Anagrammen des Titels geschrieben ist. 2021 wurde ihr das Ruskin Erna Plachte-Stipendium verliehen, 2005, 2013 und 2017 erhielt sie GfA-Auszeichnungen des Arts Council England. Ihre Werke sind in bedeutenden Sammlungen vertreten, darunter die Tate, die Government Art Collection und das Victoria & Albert Museum in London, das SFMOMA in San Francisco und das Centro Galego de Arte Contemporánea (CGAC) in Santiago de Compostela.

Anna Barham: Out of the gravel, IAC Villeurbanne, FR, 2022. Foto: Anna Barham Courtesy: The artist und Arcade, London
Für weiteres Informations- und Bildmaterial wenden Sie sich bitte an
presse@badischer-kunstverein.de oder rufen Sie uns an unter 0721 28226.

13.2.2026-14.6.2026
11.2.2026, 11 Uhr
Eroeffnung: 12.2.2026, 19 Uhr
Ausstellung
contemporary since 1818
Projekt und Begegnungsraum im Lichthof
Das Projekt contemporary since 1818 im Lichthof des Badischen Kunstvereins versteht sich als Begegnungsraum und Veranstaltungsort, der auf die weltweit sowie lokal spürbaren Krisen und politischen Entwicklungen wie die Kulturkürzungen, die damit einhergehende (institutionelle) Prekarisierung und die zunehmende gesellschaftliche Polarisierung reagiert.
Kunstvereine sind als demokratisch und bildungspolitisch relevante Orte entstanden und können als solche auch gerade heute wieder einen wichtigen Raum für Vernetzung und Solidarisierung bieten. Der Badische Kunstverein ist seit 1818 ein Ausstellungs- und Diskursort für zeitgenössische Kunst und bildet einen Raum, in dem künstlerische Praktiken sowie politische Fragestellungen sichtbar werden:
Wo und wie können wir uns versammeln? Wie bleiben Institutionen unter prekären Bedingungen handlungsfähig? Welche Kompliz*innenschaften sind möglich und wie lassen sich solidarische Strategien für eine kulturelle, künstlerische und politische Arbeit entwickeln?
contemporary since 1818 lädt ein, Zeit miteinander zu verbringen, Wissen zu teilen und sich (lokal) zu verbinden. Das Format verschränkt die historischen Kontinuitäten der Kunstvereine mit den gegenwärtigen Herausforderungen und erprobt verschiedene Möglichkeitsräume für gemeinsames Handeln.
Informationen zum Programm von contemporary since 1818 werden stets aktualisiert und über unsere Website, den Newsletter und auf Instagram veröffentlicht.
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